
Fasswein aus Spanien - oder wie der Wein ins Supermarktregal kommt
Was ist eigentlich Fasswein oder sogenannter Offenwein?
Als Kind bin ich mit meinem Opa in Spanien vor dem Mittagessen zwei Straßenzüge weitergelaufen und wir haben Wein geholt. Mit einer Flasche, die einen Bügelverschluss hatte und zuvor Zitronenlimonade enthielt. In der Kneipe waren Fässer an den Wänden und je nach Tag wählte mein Opa einen leichten Clarete, einen Wein der Region Valencia oder etwas Kräftiges aus dem Süden aus. Der Geruch ist mir noch im Gedächtnis und lässt sich mit etwas oxidativ, unsauber und Alkohol umschreiben. Das war spanischer Fasswein. Und heute?
Üblicherweise steht im Regal beim Weinkauf eine Glasflasche. Häufig ist der Inhalt 0,75 Liter, kann aber auch 0,375 Liter sein, 1 Liter oder 1,5 Liter. Der Wein kommt nicht bereits in einer Flasche zur Welt, sondern wird erst einmal aus Trauben hergestellt und landet als Flüssigkeit in unterschiedlichen Lagern. Diese können von Mini-Gefäßen mit 100 Litern, über Holzfässer mit 225 Litern oder mehr, bis hin zu Stahltanks mit mehreren 10.000 Litern sein. Abhängig ist das von der Größe der Rebfläche und des Weinguts. Grob gesagt ist erst einmal jeder Wein ein Fasswein, bis es in die Flasche geht.
Was hier jetzt etwas wie die kolumbianische Pillen-Fraktion im Regenwald klingt, schön versteckt und illegal, ist das tägliche Geschäft der Weinbranche. Ein Drittel des Business wird als Fasswein exportiert. Und dabei fehlen in dem Anteil alle Geschäfte, die innerhalb der Länder zwischen Weingütern, Produzenten oder Abfüllern abgewickelt werden. Ja, auch Weingüter handeln untereinander Wein, wenn die Nachfrage deren Bestände übersteigt oder sie Wein nicht in der Flasche verkauft bekommen.


