4. Juli 2025

Albariño vs. Riesling: Wie ähnlich sind sich die beiden Weißweine tatsächlich?

Sind Riesling und Albariño verwandt?

Der Sommer ist da und Glas und Gaumen verlangen nach frischen, knackigen Weißweinen. Neben Verdejo bedeutet das in Spanien vor allem: Albariño. Der Weißwein-Star aus Galicien hat sich in die Herzen der Weinfans getrunken und ist auch außerhalb des Landes längst kein Geheimtipp mehr. Die explosionsartige Vermehrung der Weinberge in der DO Rias Baixas, dem Hauptanbaugebiet der Rebsorte Albariño in Spanien, spricht Bände: Wurden im Jahr 1987, ein Jahr vor Gründung der DO, noch 237 Hektar Weinberge bewirtschaftet, ist die DO-Rebfläche 1997 schon auf rund 2.000 Hektar angewachsen – während heute (Stand Juni 2025) in den 5 Subzonen der DO Rias Baixas ganze 4.681 Hektar unter Reben stehen. 97 Prozent der Produktion in Rias Baixas entfallen auf Albariño. Dabei erfreut sich dieser Weißwein aus Galicien nicht nur in Spanien großer Beliebtheit: Während 2004 rund 1 Millionen Liter Albariño exportiert wurden, waren es 2024 bereits über 8 Millionen Liter (und zwischenzeitlich, 2021, sogar fast 9,5 Mio.).

Was macht den Albariño so beliebt und was hat der Riesling damit zu tun?

Wie schmeckt Albariño im Vergleich zum Riesling? Teilweise tatsächlich recht ähnlich. Albariño-Weine sind in der überwiegenden Zahl frisch, fruchtig, zeigen Noten von weißen Blüten und sind mit einer für spanische Verhältnisse ordentlichen Säure sowie häufig auch mit einer Spur Salzigkeit ausgestattet – der nahe Atlantik lässt grüßen. Die Fruchtnoten bewegen sich meist im zitrischen Spektrum oder erinnern an gelbe Steinfrüchte, Apfel oder Birne – im Verbund mit der präsenten Säure wundert es daher nicht, dass der Albariño häufiger als spanischer Riesling bezeichnet wird. Wie der Riesling kann die Rebsorte Albariño auch wunderbare Terrroirweine hervorbringen, auch wenn der Großteil der im Handel befindlichen Weine für den leichten Genuss auf der Terrasse und in der Bar designt wurde (und nicht wenige Albariños meiner Meinung nach eher einem Weißburgunder als einem Riesling gleichen).

Sind Albariño und Riesling verwandt?

Es hält sich immer noch hartnäckig die Erzählung, dass es sich bei Albariño um einen Riesling handelt, der vor langer Zeit nach Spanien, genauer nach Galicien geschafft wurde und sich dort dann gut einlebte. Die Gegenüberstellung Albariño vs. Riesling ist jedoch ausnahmsweise nicht nur der menschlichen Neigung geschuldet, zu vergleichen und zu kategorisieren. Tatsächlich liegt dem Vergleich Albariño – Riesling auch ein vor langer Zeit begangener Fehler zugrunde: Albariño bedeutet übersetzt »die Weiße vom Rhein« und man muss kein Master of Wine sein, um hier sofort eine Verbindung zur großen Weißwein-Sorte zu ziehen, die entlang des Rheins wächst. Ist Albariño also ein Riesling?

Der Überlieferung zufolge sollen im Mittelalter pilgernde Mönche Riesling-Reben mit auf den Jakobsweg genommen und bis nach Galicien gebracht haben. Eine andere Spielart dieser Theorie besagte, dass französische Zisterziensermönche im 12. Jahrhundert Reben aus Frankreich mit sich führten und in geeigneten Zonen Galiciens Weinberge anlegten. Beide Erklärungen für die Ursprünge der Rebsorte Albariño gehören ins Reich der Legenden. Forschungen deuten darauf hin, dass Albariño eine autochthone Traubensorte Galiciens ist, die nah mit der galicischen Rebsorte Caiño verwandt ist (wenn wir hier von Galicien sprechen, meinen wir auch das spanisch-portugiesische Grenzgebiet mit, das einen Kulturraum darstellt - in Portugal ist die Rebsorte als Alvarinho bekannt). Eine Untersuchung mit genetischen Analysen von 67 Rebsorten der Region aus dem Jahr 2012 legt nahe, dass alle galicischen Rebsorten von vier Linien abstammen: Caíño, Merenzao, Garnacha und Moscatel. Demnach wird Albariño der Gruppe um die Rebsorten Caíño und Merenzao zugeordnet, die als Vorfahren gelten. Manche Quellen führen auch die galicische Sorte Loureiro als direkten Vorfahren des Albariño auf – so ganz geklärt ist es also noch nicht, auch eine Nachfrage bei der DO Rias Baixas brachte diesbezüglich mehr Klarheit. Fest steht allerdings, dass es sich bei Albariño um eine sehr alte galicische Rebsorte handelt, die in den vergangenen 20 Jahren ein beeindruckendes Comeback erlebt hat.

Was unterscheidet Albariño von Riesling?

Im Gegensatz zu Riesling wird Albariño fast immer trocken ausgebaut. Hinzu kommt das Mundgefühl, das in der Regel – natürlich gibt es viele Abweichungen – bei einem klassischen Albariño etwas voller ausfällt als bei einem klassischen Riesling. Der mittlere Körper mit häufig leicht cremiger Textur und vollen Fruchtnoten lässt die Säure häufig nicht ganz so präsent wirken, wie es beim Riesling oft der Fall ist. All dies zusammen macht Albariño nicht nur zu einer Riesling-Alternative, sondern auch zu einer guten Wahl für all diejenigen, die gerne frische und fruchtige Weine trinken. Der perfekte Terrassenwein eben!

Wie schmeckt Albariño?

Theorie ist bekanntlich trocken – ganz im Gegensatz zu Wein. Zur liquiden Begleitung des Artikels haben wir zwei Flaschen Albariño geöffnet: mit dem Martín Códax Albariño und dem Mar de Frades Albariño zwei sehr beliebte Exemplare, die in fast jedem spanischen Supermarkt erhältlich sind. Beide Weine sind aus dem Jahrgang 2023 und kosten vor Ort 14 bzw. 18 Euro.

Die Albariño-Probeflaschen:

  • Martín Códax Albariño 2023, DO Rías Baixas, 12%

  • Mar de Frades Albariño 2023, DO Rías Baixas, 12,5%

Die Weine sind die Bestseller von zwei Big Playern im Albariño-Business, die Hunderttausende bzw. im Fall von Martín Codax Millionen Flaschen jährlich produzieren. Insofern spiegeln sie für viele Menschen den typischen Albariño wider. Interessanterweise starten beide Weine mit einer recht ausgeprägten, aber sich rasch abschwächenden reduktiven Note (Schwefelalarm), der Martin Codax mehr als der Mar de Frades... das haben wir auch schon mal anders erlebt bei diesen Weinen. Während der Martin Codax Albariño sich mit eher gedeckten Zitrusnoten, kräftiger Säure und einem kürzeren Abgang als Speisebegleiter empfiehlt, ist der Mar de Frades Albariño expressiver, herber (die leicht künstlich wirkende Frucht pendelt zwischen Grapefruit und Pfirsich) und spritziger, was ihn zu einem guten Terrassenwein macht.

Haben diese beiden Albariños wie Rieslinge geschmeckt? Nein, nicht so ganz, auch wenn unverkennbar Parallelen da waren. Aber diese Einstiegsweine der beiden bekannten Bodegas sind freilich auch nur ein kleiner Ausschnitt aus der großen Albariño-Welt....da ist noch viel Luft nach oben!

  • Übrigens: Wir haben diese kleinen Probeschlücke zum Anlass genommen, um eine größere Albariño-Probe zu organisieren, bei der auch mehr kleinere und handwerklich arbeitende Weingüter vertreten waren, um ein vollständigeres Bild dieser Rebsorte zu zeigen. Hier gelangst du zum Artikel: 10 Albarino-Weine aus Rias Baixas im TodoVino-Test

Fazit Albariño vs. Riesling: Zwei große, aber unterschiedliche Rebsorten

Wie schmeckt Albariño im Vergleich zum Riesling? Beide Weine haben viel Säure, beide Weine werden häufig von Zitrusaromen getragen. Dennoch zeigt sich Albariño häufiger (nicht immer!) »etwas wärmer« und breiter als ein typischer Riesling.

Albariño und Riesling sind trotz Ähnlichkeiten immer noch unterschiedliche Charaktere. Das schließt nicht aus, dass ein Albariño nicht auch mal wie ein Riesling schmeckt und umgekehrt – aber im Allgemeinen machen sich die unterschiedlichen Standortbedingungen – hier das feuchtwarme Atlantikklima (sooo kühl wie immer behauptet ist es dort nicht), dort das extremere Kontinentalklima – dann doch bemerkbar. Die DO Rias Baixas, das Hauptanbaugebiet für Albariño kommt bei einer Jahresdurchschnittstemperatur von rund 12 Grad auf jährlich rund 2.200 Sonnenstunden und Niederschlagsmengen von 1.600 mm, während Rheinhessen bspw., nach der Pfalz das größte Rieslinganbaugebiet in Deutschland, auf rund 1.900 Sonnenstunden und weniger als 500 mm Regen pro Jahr kommt, bei einer Jahresdurchschnittstemperatur von 10,5 Grad (Tendenz steigend).

Jedenfalls ist Albariño, ebenso wie Riesling, eine fantastische Weißweinsorte! Probieren und Erkunden lohnt unbedingt.

Eine gute Auswahl an Albariño-Weinen findest du bspw. bei Hawesko!

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