Die letzten Weine fallen in die Kategorie gehobene und gehaltvolle Albariño-Weine, die etwas Reife erfahren haben. Wie zum Beispiel der Lagenwein Leirana Genoveva Albariño 2022 (13%, rund 36 €) der bereits vorgestellten Bodega Forjas del Salnés (bei der man übrigens auch über 100 Euro für einen Albariño ausgeben kann, wenn man denn mag). Hier tritt die Frische etwas in den Hintergrund (aber verschwindet nicht!) um Platz zu machen für einen seriöseren, eleganteren, deutlich mineralischeren Charakter. Balanciert, milde Zitrusnoten Richtung Orange und Mandarine, der Holzausbau macht sich gaaanz leicht bemerkbar, Entfernte Erinnerungen an laktische Noten werden wach, mehr aber auch nicht. Im Mund spannend: komplex, reizvoller Spannungsbogen, intensive, aber nicht laute Fruchtnoten, mit toller Konzentration und saftigen Rändern, wo die Frucht noch mehr Klarheit zeigt, präsente, aber eher im Hintergrund wirkende Säurestruktur, prononcierte Salinität. Wandelt sich beständig in seinem Aromenspiel, was wirklich Spaß macht. Wird mit zunehmender Öffnungsdauer immer mineralischer mit leichtem Hang zu vulkanischen Noten. Vor allem, wie die dunkle Mineralik sich auf die schöne helle Frucht setzt, ist äußerst reizvoll. Der Leirana Genoveva Albariño 2022 ist ein ernstzunehmener Albariño, ein vollmundiger, runder Wein, der wenig gemein hat mit der fröhlich lärmenden Terrassenverwandschaft, der aber noch ausreichend Grip hat, sodass er immer noch so viel Trinkfreude zeigt, um auf der Terrasse mitspielen zu können.
Ganz so verspielt ist der Martín Códax Arousa Albariño 2022 (12,5%, rund 22 €) zwar nicht, aber dennoch handelt es sich um eine sehr gelungene Interpretation eines wertigeren Zonenweins (Weinberge nahe der schönen Ría de Arousa, also nah am Meer). Martín Códax ist sowas wie der Platzhirsch der Weinregion. Die sehr schön gelegene, besuchenswerte Kooperative produziert Albariños auf allen Levels (den Einstiegswein und bekanntesten Albariño des Hauses haben wir im Rahmen unseres Riesling vs. Albariño-Artikels verkostet). 18 Monate lag der Martín Codax Arousa Albariño auf der Hefe, was ihm eine cremigere Textur verliehen hat und ihn zu einem etwas gastronomischeren Wein macht. Alles ist eine Spur weniger spritzig und eine Spur feiner, vibrierender. In der Nase Zitrusfrucht, Kräuter, eine leichte Ahnung von Algen, verspielte Säure. Geschmacklich besticht der Wein durch sein feines Säuregerüst und schöne Noten von Fenchel im Zusammenspiel mit einer markanten Salzigkeit und einem lustvollen Ausklang. Macht Spaß und ist sehr eingängig!
Schließlich der La Fillaboa 1898 Albariño 2016 (13%, rund 55 €) vom bereits vertretenen Weingut Fillaboa. Der Topwein der Bodega wird nur in besonders guten Jahrgängen hergestellt und ja, der Wein ist ein Highlight! Dieser Albariño-Wein reifte ganze 6 Jahre auf der Hefe und offenbart ein sehr verführerisches Bouquet, mit intensiven, tiefen, reifen Fruchtaromen, Kräuter- und Honignoten und verhaltener Laktik sowie leichtem Hefetouch. Im Mund wieder sehr intensiv, aber nicht schwer, der La Fillaboa 2016 ist so einnehmend, keine Geschmacksknospe kann dem Wein entgehen. Was für eine Tiefe und Länge. Mildwürzig, dicht, leicht cremig, sehr schöne Säurestruktur und Phenolik. Schöner, leicht herber Hintergrund. Wirklich ein großartig gereifter, wunderbar komplexer Albariño-Wein aus Rias Baixas. Bei der 2024er-Verkostung des spanischen Weinführers Guia Peñin hat dieser Wein die Höchstbewertung von 100 Punkten erreicht – nur 8 der insgesamt 10.000 verkosteten Weine bekamen diese Auszeichnung. Wir sind ebenfalls begeistert, auch wenn wir uns vielleicht nicht zu den stolzen 100 Punkten hätten hinreissen lassen – dennoch spielt der Wein unzweifelhaft in der obersten Albariño-Liga!