17. Januar 2024

Moscatel, nur süß oder was?

Was hat Moscatel zu bieten, außer fast 600 Synonyme?

Zwei Onkel hatten einen Bungalow im Moscatel de Valencia Gürtel. Damals illegal, dafür mit Swimming Pool und einem Golfplatz als Nachbarn. Als Kinder waren das endlose Weiten, mit viel Staub, und erforderten im Anschluss ein erfrischendes Bad im Swimming Pool.

Ich habe die Besuche dort geliebt und bin teilweise wochenlang geblieben, obwohl in Valencia der Strand in zehn Minuten Laufentfernung lag. Calicanto hieß die Anlage und ist heute noch existent und inzwischen anscheinend offiziell erschlossen.

Endlose Streifzüge mit den Cousins durch die Gegend und am liebsten zu einem kleinen Kiosk, der Cola hatte und Sonnenblumenkerne servierte. Natürlich mit Schale, sonst fehlt ja der Zeitvertreib mit Knacken der Schale und diese als Bodenbedeckung zu hinterlassen. Noch heute erinnere ich mich an wolkenlose Nächte, in denen wir mitten in Mandelhainen standen und vom linken bis zum rechten Horizont Sterne beobachten konnten.

Weniger lustig waren unsere Streifzüge für die Weinbauern, die permanent Mitesser vertreiben mussten, die sich über ihre Moscateltrauben hermachten. Manche Winzer hatten Hunde und diese besuchten wir immer nur ein Mal. Andere schrien nur laut und wir versteckten uns. Manche Tage endeten damit, dass es mir unmöglich war etwas anderes zu essen, da ich völlig überfüllt mit Trauben war. Schöne Erinnerungen.

Nun zurück zu Moscatel. Es gibt eine weitere Erinnerung, die allerdings spanienweit vorkommen kann und bis heute eine Tradition zu Silvester ist. Um 24:00 Uhr am 31.12. ertönen auf den Plätzen oder im Fernsehen, zwölf Glockenschläge um Mitternacht. Viele Familien bereiten dann zwölf Moscatel Beeren vor und bei jedem Glockenschlag wird eine in den Mund geschoben. Als Kinder lag der Spaß darin, jemanden mit vollem Mund zum Lachen zu bringen. Den Rest überlasse ich der Vorstellung.

In Valencia gibt es einen Moscatel Bereich, der von Montroy, über Monserrat, weiter über Turís, Real de Montroy und Godelleta, bis nach Chiva und Cheste geht.

Einige Weingüter und Kooperativen haben sich in der Region auf die Bereitung von Weinen aus Moscatel spezialisiert. Aber was ist Moscatel und gibt es da nicht verschiedene Varianten? Verwendung in Valencia finden Moscatel Romano und Moscatel de Alejandría. Wer im Netz fündig werden möchte wird eher nach Muscat of Alexandria suchen müssen. Es gibt in dem Fall von Muscat die Unterscheidung zwischen großbeerigen Varianten und kleinbeerigen Varianten, Muscat a petits grains blanc genannt. Insgesamt ist die Recherche nach diesen beiden Rebsorten ein unglaublicher Spaß.

Moscatel de Alejandría, also die große Variante, die unglaublich lecker zum Essen ist, bringt es auf unglaubliche 327 Synonyme. Moscatel de grano menudo, also Muscat a petits grains blanc, bringt es auf sagenhafte 356 Synonyme. Ganz zu schweigen davon, dass es ungefähr 200 verschiede Muscat Versionen gibt. Heißt, die Verwirrung ist komplett. Als Orientierung hilft es, sich große und kleine Beeren zu merken. In der Weinbranche wird die kleinbeerige Version als hochwertiger angesehen. Daraus werden gerne Süßweine erzeugt, die extrem aromatisch und lagerfähig sind. Aus der großbeerigen Variante werden häufig unkomplizierte Weißweine gekeltert, die von trocken (seco) bis süß (dulce) reichen können. D. h., ein Blick auf die Flasche hilft bei der Auswahl und um den richtigen Süßegrad zu erwischen.

Nachgewiesen ist, dass die Rebsorte ihren Ursprung in Griechenland hat und sich anschließend über den Mittelmeerraum verbreitete. Damit ist es nicht verwunderlich, dass häufig Regionen mit einem Hafen am Mittelmeer auch Moscatel anbauen. Wie z. B. in Alicante. Dort ist der Berühmtheitsgrad sehr groß. Moscateltrauben aus Alicante sind in ganz Spanien zu Silvester gefragt. Am liebsten gehen die Spanier dem Ritual, sich die zwölf Glockenschläge mit Moscateltrauben zu versüßen, mit Trauben aus Alicante nach. Wenn man diesem Ritual versucht auf den Grund zu gehen, tauchen häufig Behauptungen auf, dass Weinbauern aus Alicante diesen Brauch erfunden haben, da sie nicht mehr wussten, was sie mit den vielen Trauben machen sollten. Die Nachfrage nach Moscatel ließ 1909 angeblich derart nach, dass man eine Lösung suchte, ob der Masse an Trauben eine Bestimmung zu geben. Findige Produzenten kamen darauf, dass der Verzehr von einer Beere bei jedem Glockenschlag zum Jahreswechsel, Glück im nächsten Jahr bringen sollte. Gesagt, getan, seitdem gibt es nur in Spanien das Ritual der Trauben zum Jahreswechsel.

Weinliebhaber sollten sich auf keinen Fall entgehen lassen, Weine aus Moscatel in Spanien zu probieren. Diese Rebsorte bedeckte einst an die 100.000 ha in Spanien und ist auf etwa 18.000 ha gesunken. Eine andere bedeutende Region mit Moscatel ist Malaga. Dort werden unter anderem fantastische Rosinen produziert. Bei der Frage an einen Produzenten, wieso er aus diesen unglaublichen Beeren keinen Wein macht, kam eine überzeugende Antwort: Weil ich mit Rosinen deutlich mehr Geld verdienen kann und erheblich weniger Probleme mit dem Absatz habe.

Ach ist das schön
©Jörg Philipp

Moscatel

Alte Bekannte, nur leider vergessen

Trauben halten kann er auch
©Jörg Philipp

Moscatel

Auch einfach so ein Genuss

Nachzügler
©Jörg Philipp

Moscatel

Werden meistens entsorgt, weil sie nicht genug Reife haben.

knorriges Zeug
©Jörg Philipp

Moscatel

Häufig alte Reben

die Farben ein Träumchen
©Jörg Philipp

Moscatel

Berauschendes Erbe

gerne ein paar Dekaden gereift
©Jörg Philipp

Moscatel

Kann fantastisch reifen

ganz schön hoch hier
©Jörg Philipp

Moscatel

Nicht immer wird lecker Wein daraus. Rosinen!

wohin sollen wir?
©Jörg Philipp

Moscatel

Lange Reifung für fantastisches Aroma

Rosinen Plantage
©Jörg Philipp

Moscatel

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