5. Februar 2024

Vinos de Madrid: Eine Weintour durch die zentralste Weinperipherie Spaniens

Im ehemaligen Fassweingürtel um Spaniens Hauptstadt tut sich was!

Wer an die Madrid denkt, hat wahrscheinlich die prächtigen Straßenzüge, die unzähligen Museen, die pulsierenden Bars und natürlich den berühmten blauen Himmel der spanischen Hauptstadt vor Augen. Das ist alles nicht falsch. Aber es ist nur die eine Hälfte der Geschichte. Die andere Hälfte erzählt die der Region Madrid, die die Metropole komplett umschließt – da, wo der Wein wächst. Ziemlich guter sogar. Todovino war unterwegs und hat persönlich nach dem Rechten geschaut.

Aber zunächst etwas Geographie und Geschichte – Bildung muss sein. Die Autonome Gemeinschaft Madrid (Comunidad de Madrid auf Spanisch) befindet sich im Zentrum des Landes, mitten auf der kastilischen Hochebene, der Meseta. Sie ist eine der 17 Regionen Spaniens und mit rund 8.000 km² nicht einmal die kleinste. Wie in fast jeder anderen spanischen Region geht der Weinbau bis mindestens zu den Römern zurück. Die Bedeutung des Weins zeigt beispielhaft ein Dokument aus dem 14. Jahrhundert, das all diejenigen verpflichtete, Reben zu pflanzen, die sich im Gebiet des Ortes Navalcarnero im Südwesten der heutigen Region neu niederließen. Im 15. Jahrhundert genoss der Wein bereits einen besonders guten Ruf, sodass Madrid Bedingungen an den Verkauf seiner Weine knüpfen konnte: wer beispielsweise aus der Stadt Burgos kam, um Wein zu kaufen, musste im Gegenzug Fisch mitbringen, sonst wurde das nichts mit dem Geschäft.

So lief das damals. Mittlerweile können die Menschen aus Burgos sicher gut über solche Vorschriften lachen, haben sie doch in ihrer Provinz mit Ribera del Duero ein Weinbaugebiet, welches an Renommee Madrid heute weit überlegen ist. Denn Wein aus Madrid hatte im letzten Jahrhundert vor allem eins: einen schlechten Ruf. Wenn man das Weinbaugebiet überhaupt kannte. Das lag vor allem daran, dass lange Zeit beim Gros der Weinbauaktivitäten der Region Masse vor Klasse stand. Diese Verallgemeinerung ist nun schon seit zwei bis drei Dekaden nicht mehr haltbar, wovon wir uns vor Ort überzeugen konnten. Todovino nimmt Dich mit zu spannenden Weingütern und fast vergessenen Weinen.

Die roten und weißen Hauptrebsorten der DO Vinos de Madrid

Weißwein

  • Albillo Real

  • Malvar

Rotwein

  • Tinto Fino (Tempranillo)

  • Garnacha Tinta

Das Weinbaugebiet DO Vinos de Madrid besteht aus 4 Subzonen:

Arganda

  • Eingeschriebene Bodegas: 28

  • Hauptrebsorten: Tinto Fino & Malvar

Navalcarnero

  • Eingeschriebene Bodegas: 5

  • Hauptrebsorten: Garnacha Tinta & Malvar

San Martín de Valdeiglesias

  • Eingeschriebene Bodegas: 18

  • Hauptrebsorten: Garnacha Tinta & Albillo Real

El Molar

  • Eingeschriebene Bodegas: 2

  • Hauptrebsorten: Garnacha Tinta und Malvar

    (Stand 10.2023)

Weingüter aus Madrid im Aufwind

Das Weinbaugebiet DO Vinos de Madrid ist wie Spanien: es besteht aus sehr verschiedenen Regionen, die nichts miteinander zu tun haben wollen. Was es für Außenstehende nicht uninteressanter macht, im Gegenteil. Es erweist sich als faszinierend, die unterschiedlichen Landschaftsformen und Weinstile der vier Subzonen Madrids zu erkunden und zu sehen, wie sich im bergigen Herz Spaniens urbane Dichte und die Weite der Natur abwechseln. Noch faszinierender ist, dass die Qualitätsrevolution, die sich seit nunmehr doch schon einigen Jahren im ehemaligen Fassweingürtel um Spaniens Hauptstadt vollzieht, von der wachsenden Schar Weinliebender weitgehend ignoriert wird.

Wenn, dann kennt man die Weine von Comando G, einem überaus erfolgreichen Projekt befreundeter (und auch bei anderen Weingütern tätiger) Önologen. Das G steht für Garnacha, der roten Hauptsorte der Region. Der Garnacha La Bruja mit dem charakteristischen Cowboystiefel auf dem Etikett dürfte vielen in On- oder Offline Weinshops schon begegnet sein. Mit dem Rumbo al Norte hat das in der Sierra de Gredos im Südwesten Madrids beheimatete Weinprojekt sogar 100 Parker Punkte eingeheimst. Egal, wie man zu Parker und seinen Punkten steht: In Spanien gibt es nicht viele Weingüter, die so etwas vorweisen können, in Madrid sowieso nicht.

Madrid: Weintrauben im Hitzestress

Zu den Gründungsmitgliedern von Comando G gehört Marc Isart. Der Selfmade-Winzer mit Wurzeln in Katalonien verließ nach einigen Jahren das gemeinsam mit seinen Freunden gestartete Projekt, weil ihm der Rummel zu viel wurde. Fortan kümmerte er sich nur noch um die Trauben der Bodega Bernabeleva, bis er zusätzlich, im Jahr 2017, mit der Bodega Cinco Leguas sein eigenes Weingut gründete, südwestlich der Metropole, in der Subzone Arganda. Das nimmt ihn mittlerweile so in Anspruch, dass er auch bei Bernabeleva aufgehört hat.

Mit seiner im urigen Chinchón gelegenen Bodega Cinco Leguas bewirtschaftet Marc rund 16 Hektar Rebfläche, die er gepachtet hat. Die mit Tempranillo und Malvar bestockten Weinberge sind zwischen 25 und 100 Jahre alt, wurzeln auf Sandstein und Lehm und werden nicht bewässert – bei nur etwa 400 mm Regen pro Jahr und kleinen Erträgen von nur 2.500 bis 3.500 Kilogramm pro Hektar (bei den Rotweinen) ein heikles Unterfangen. Aus dem Grund sei auch keine Begrünung der Weinberge möglich, erzählt Marc, so sehr das auch dem aktuellen Trend entgegensteht. Ansonsten treffen die Weine den Geist der Zeit: Minimale Eingriffe in Weinberg und Keller, Spontanvergärung, keine Temperaturkontrolle der Tanks. Was Marc von vielen anderen Winzer:innen unterscheidet, ist nicht nur die Tatsache, dass er dieses besondere, nicht im Studium vermittelbare Gespür besitzt, das zur Kreation außerordentlicher Weine vonnöten ist. Es ist sein ungewöhnlicher Ansatz: statt als gefeierter Önologe Weine für Nobelrestaurants auf die Flasche zu ziehen, möchte er mit Cinco Leguas vinos de sed produzieren – unkomplizierte Trinkweine, die in der Tradition der Rebensäfte stehen, die vor einigen Jahrzehnten in der Gegend produziert wurden.

https://www.youtube.com/watch?v=3so3qu9KWC8

»Ich mag das einfache Leben. Ich mag die einfachen Weine.«

Marc Isart, Bodegas Cinco Leguas

Ob die Weine so einfach sind, kann man diskutieren. Indiskutabel ist der Trinkfluss, der sich nach dem Öffnen eines Weins von Cinco Leguas einstellt. Die tiefgehende Frische und die Klarheit im Ausdruck vor allem seiner Einstiegsweine, bei denen seine Philosophie sich am überzeugendsten präsentiert, ist jedenfalls beeindruckend und dürfte bei Unkundigen für überraschte Gesichter sorgen. Schließlich stammen sie aus Weinbergen, die der sengenden Sonne Madrids ausgesetzt sind. Aber hier ist nichts schwer oder überladen. Der 2022er La Maldición Tinto Fino (eine lokale Variante des Tempranillo) weist gar nur 12 Volumenprozent Alkohol auf und ist ein betörend leichtes Vergnügen, das kein Holz gesehen hat. Der für diese Zone ungewöhnlich niedrige Alkoholgehalt ist nicht nur auf die enthaltenen 15 Prozent Malvar zurückzuführen, nicht nur auf die durchschnittlich 750 Höhenmeter der Weinberge und auch nicht auf Marcs besondere Kellereikünste, sondern auch das Ergebnis eines besonders heißen und trockenen Jahres: bei übermäßiger Hitze stellt die Rebe nämlich alle Wachstumsaktivitäten und somit auch die Zuckerproduktion ein, um ihr Überleben zu sichern. Eine Notbremsung der Natur, die uns in diesem Fall einen feinen Wein beschert hat.

Wer es etwas gehaltvoller mag, greift zum Rompecepas Tinto Fino, der eine gute Balance zwischen Fassreife und Frucht aufweist. Der traditionellste Wein ist sicher der Maldición Clarete, der aus Malvar-Trauben (Weißwein) mit je nach Jahrgang 10 bis 15 Prozent Tinto Fino-Trauben (Rotwein) gewonnen wird, die gemeinsam auf der Maische reifen. Das Ergebnis gleicht einem Rosé, aber durch seine besondere Herstellungsart, die früher in Arganda und allgemein in Spanien weit verbreitet war, ist es ein Wein eigener Art. Ein wunderbarer Sommerwein, der wahrscheinlich besonders gut auf dem historischen Plaza Mayor in Chinchón schmeckt – die große Sehenswürdigkeit der Region. Auch wenn es hier an Wochenenden schon mal voll werden kann, lohnt sich ein Besuch der nur 45 Kilometer von Madrid entfernten Kleinstadt unbedingt, da der von Säulengängen und rustikalen Holzbalkonen gesäumte Platz wirklich einzigartig ist. Ansonsten ist Chinchón berühmt für seinen Anis-Schnaps und seinen Knoblauch – Feinschmecker:innen kommen also auf ihre Kosten.

Bodega Bernabeleva: der Eleganz auf der Spur

Rund 120 Kilometer nordwestlich von Chinchón liegt San Martín de Valdeiglesias, die namensgebende Stadt für die vielleicht interessanteste Subregion der DO Vinos de Madrid. Wer sich der Stadt nähert, durchquert dichte mediterrane Pinienwälder, die sich an die auslaufenden Hügel der Sierra de Gredos schmiegen. Hier möchte man gleich einen Wanderurlaub machen und wer die Ruhe schätzt, sollte dies ernsthaft in Erwägung ziehen, denn starken Tourismus erlebt diese Region nicht. Ein weiterer Vorteil ist natürlich der Wein und die bereits angesprochene Bodega Bernabeleva gehört zu den Aushängeschildern San Martíns.

Als Juan vor rund 15 Jahren begann, auf seiner weitläufigen Finca am Ortsrand von San Martín de Valdeiglesias professionelle Weinbauaktivitäten zu starten, belebte er das Erbe seines Urgroßvaters. Dieser erwarb das Grundstück vor rund 100 Jahren und pflanzte Reben. Der Spanische Bürgerkrieg und der Sieg der Faschisten verhinderte, dass der Republikaner seinen Traum umsetzen konnte. Die Familie pflegte aus nostalgischen Gründen und ohne wirtschaftliche Absichten die Rebstöcke über Jahrzehnte hinweg, sodass Juan endlich das von seinem Urgroßvater begonnene Werk mit einem reichen Schatz alter Reben vollenden konnte.

50 Hektar Rebfläche bewirtschaftet Bernabeleva heute, davon sind 10 Hektar gepachtet und 40 Hektar liegen, verteilt auf zahlreiche kleine Parzellen, verstreut auf der rund 1.000 Hektar großen, zwischen 700 und 850 Meter hohen Finca. Überall wachsen Bäume, teilweise auch mitten in den Weinbergen. Mit durchschnittlich 628 mm Regen pro Jahr gibt es deutlich mehr Wasser von oben als im benachbarten Arganda. Wenn irgendwo ein Baum wächst, lassen wir ihn wachsen, erklärt Juan. Gesucht wird der Einklang der Natur. Dazu gehört auch, dass wilde Tiere geduldet werden, auch wenn sie gelegentlich Schaden anrichten – die gesamte Finca ist als Schutzgebiet deklariert, in dem nicht gejagt werden darf. Die Natur ist ein Geben und Nehmen, so Juan.

https://www.youtube.com/watch?v=oQGACDR_s3A

Auch wenn er im Weinberg zwar auf Ertragsreduzierung (bei ohnehin wahnwitzig niedrigen Erträgen), ansonsten aber auf wenige Eingriffe setzt, verfolgt er bei der Weinbereitung einen Plan: elegante, seidige und dabei einfach zu trinkende Weine sollen entstehen. Mit den manchmal zu vernehmenden Burgund-Vergleichen ist Juan nicht einverstanden – wenn, dann bitte Barolo. Tatsächlich erwarten den Gaumen überraschende Geschmackseindrücke: wer noch keine breiteren Erfahrungen mit dieser Zone gemacht hat, wird diesen präzisen, feingliedrigen Stil, der vor allem oberhalb der Einstiegsqualitäten vorherrscht, wahrscheinlich nicht erwarten. Neben den wunderbaren Garnachas sind die Weißweine erwähnenswert, die aus Garnacha Blanca und vor allem Albillo Real gekeltert werden. Die pikanten, konzentrierten, aber niemals lauten Aromen kleiden eine intellektuell anmutende Struktur – eine wahre Freude!

El Molar: Der Weinzwerg im Nordosten Madrids

Arganda und San Martín de Valdeiglesias sind die Zentren der DO Vinos de Madrid mit den meisten Bodegas. In der Subzone Navalcarnero, einem der historischen Weinbaugebiete Madrids, gibt es heute nur eine Handvoll große Weingüter. In El Molar, der jüngsten Subzone Madrids, sogar noch weniger. Das Weinbaugebiet um die gleichnamige Stadt im Nordosten Madrids präsentiert sich karg. Zahlreiche verlassene Weinberge lassen sich bei einer Fahrt durch das Umland ausmachen. Auch die örtliche Kooperative hat schon vor einigen Jahren den Betrieb eingestellt. So sah Carlos seine Chance gekommen und kaufte kurzerhand den Komplex, um nach übermäßig stressigen Jahren als Geschäftsmann in die ruhigere Rolle des Winzers zu wechseln.

Sein 2017 gegründetes Weingut Tinta Castiza verfügt heute über 16 gepachtete Hektar alter Rebbestände zwischen 50 und 90 Jahren, auf 750 – 850 Meter Höhe, bewirtschaftet wird biologisch, was sich bei dem trockenen, heißen Klima freilich ohnehin anbietet. Für die mit leeren Flaschen vorbeischauende Nachbarschaft produziert er weiterhin günstigen, fruchtig unkomplizierten Fasswein, womit er an die Tradition der Kooperative anknüpft. Sein Herzblut steckt er aber in seine vier Flaschenweine und seinen Vermut, die vor allem an Restaurants und Weinbars in Madrid verkauft werden. Während die Weine aus San Martín eher leichter und eleganter sind, herrscht in Arganda und Navalcarnero ein schwererer Stil vor. El Molar bewegt sich eigentlich dazwischen, so Carlos. Er selbst aber möchte Weine mit etwas kraftvollerem Ausdruck kreiieren – der persönliche Geschmack des Winzers spielt immer eine wichtige Rolle.

Stilistisch zeigen sich die spontanvergorenen, natürlich geklärten Weine von Tinta Castiza etwas klassischer und üppiger, ohne jedoch reizvolle Akzente vermissen zu lassen. Das ist nicht das Ende der Weinfahnenstange, hat aber spürbar Potenzial und die Rotweine lassen sich sicher wunderbar zu kräftigen Gerichten trinken. Interessant vor allem der dicksaftig-würzige Malvar, der wie hier üblich auf seinen Schalen vergoren wurde, was der eher neutralen Sorte mehr Charakter verleiht – quasi ein Orangewein aus Tradition.

Wer in der Gegend ist, sollte es auf keinen Fall versäumen, das alte Bodegaviertel El Molars zu besuchen. Hier finden sich zahlreiche Bars und Restaurants in alten Höhlen, die noch aus der Zeit stammen, als die Araber in der Region das Sagen hatten (mehr über al-Andalus bspw. auf Wikipedia). Eine besondere Weise, die traditionelle Küche und den lokalen Wein zu genießen.

https://www.youtube.com/watch?v=GFcHh7WNG_o

Aufstieg oder Niedergang? Weinkulturen im Wandel

Wir konnten eindrucksvoll erleben: in Madrid tut sich was in Sachen Wein, der deutlich mehr Aufmerksamkeit verdient als ihm gegenwärtig zuteilwird. Aber: Je nach Perspektive kann man auch von Niedergang sprechen. Während einige Weingüter bemerkenswerte Tropfen kreieren, verschwinden immer mehr Weinberge. Die früher allgegenwärtigen Kooperativen schrumpfen im selben Takt oder schließen gar. Früher gehörte es für viele auf dem Land dazu, den Weinberg zu bewirtschaften, den man schon immer hatte, und die Ernte in der örtlichen Kooperative abzuliefern. Die niedrigen Erträge und die geringen Traubenpreise bei steigenden Lebenshaltungskosten machen das mittlerweile höchst unattraktiv. Bei einer Kooperative erzählte man uns, dass ihr jüngster Zulieferer knapp 70 sei. Die Folge: immer mehr Weinberge werden sich selbst überlassen und verwildern. So wurde übrigens auch von allen Seiten angezweifelt, dass die DO Vinos de Madrid wirklich knapp 9.000 Hektar umfasst, wie es offiziell kommuniziert wird – tatsächlich seien es mittlerweile einige tausend Hektar weniger.

Auch die Kooperative von Chinchón ist jetzt in privater Hand

Bei einer der verschwindenden Kooperativen haben wir auch vorbeigeschaut – bzw. Ex-Kooperative. Denn die ehemalige Coop Vinícola San Roque de Chinchón ist seit kurzem die privatwirtschaftlich geführte Bodega Vegaluna, die weitgehend den Betrieb und die Struktur der Kooperative weiterführt. Verkauft werden hier 5 Liter Airén für 6 Euro und der Wein ist gar nicht so schlecht, wie viele vielleicht reflexartig annehmen. Auch wenn Weinfreaks meist einen Bogen um Kooperativen machen, ist ein Besuch sowie eine Weinprobe ungemein interessant, weil sie in vielen Regionen einen wesentlichen Teil der lokalen Weinkultur und des lokalen Weinkonsums ausmachen. Wer das Wesen einer Weinregion richtig kennenlernen will, kommt an der Kooperative eigentlich nicht vorbei. In unserem Fall gab es einen weiteren Grund: Die Kooperative bzw. jetzige Bodega Vegaluna ist einer der ganz wenigen Produzenten in Madrid, die noch vinos sobremadre (wörtlich: Weine auf der Mutter) herstellen. Die »Mutter« sind die festen Bestandteile der Traube, die mitvergoren werden. An sich nicht ungewöhnlich, aber die Regularien, die vom damaligen Önologen der Kooperative in Chinchón formuliert wurden, legen ein recht kompliziertes Herstellungsverfahren des ganz subtil moussierenden Weines fest.

https://www.youtube.com/watch?v=ebYzgfAcM84

Während dieser einzigartige, ursprüngliche Weinstil immer noch seinen festen Platz im Regionalmarketing hat, gibt es tatsächlich aber kaum noch Weingüter, die die Tradition pflegen. Warum stellt kaum noch jemand sobremadre Weine her, wollen wir wissen. Die Weine sind etwas anspruchsvoller, nicht ganz so einfach zu trinken, der Geschmack hat sich eben verändert, meint Pedro, der schon bei der Kooperative beschäftigt war und mit Leidenschaft dabei ist. Er ist stolz, dass die Bodega Vegaluna als eine der wenigen diese spezielle Madrider Weintradition fortführt. Tatsächlich ist der vino sobremadre der ehemaligen Kooperative kein rauer archaischer Tropfen, sondern ein sehr zugänglicher Weißwein (auch Rotwein ist möglich), der sich dick und tief, aber dank der griffigen Säurestruktur mit Frische präsentiert. Aromatisch stechen vor allem gelbe Früchte und etwas Honig heraus, bei einem leicht bitteren Finale. Das macht durchaus Spaß und das bei einem Preis von 4 Euro pro Flasche! Dumm nur, dass man es nur vor Ort kaufen kann. Aber Chinchón, ebenso wie die Region Madrid, ist einen Besuch wert, wie wir festgestellt haben!

Weintour Madrid Todovino Bernabeleva
©Sascha Brandenburg

Die haben gut lachen

Ein Teil der Todovino-Redaktion mit Juan und seinem Méhari auf Tour durch die Weinberge der Bodega Bernabeleva. Schön war's.

Weintour Madrid
©Sascha Brandenburg

Vinos de Madrid

Eine Tour durch das Weinbaugebiet Madrid lohnt unbedingt. Hier im Bild die ehemalige Wein-Kooperative von Chinchón.

Weinberg in Madrid
©Sascha Brandenburg

Liquid diversity

Das Weinbaugebiet Madrid besteht aus 4 Subzonen.

Weintour Madrid El Molar Weinberg
©Sascha Brandenburg

Guck mal, da hinten wächst Wein!

Überall im Umland von Madrid finden sich Weinberge, wie hier in El Molar.

Wein Madrid Marc Isart Bodegas Cinco Leguas
©Sascha Brandenburg

Ein Hoch auf das einfache Leben

Marc Isart von der Bodega Cinco Leguas möchte einfache Trinkweine machen, wie sie früher getrunken wurden.

Cinco Leguas Madrid
©Sascha Brandenburg

Der Ton macht (im Wein) die Musik

In der Ton-Amphore baut Marc Isart einen wunderbar zarten und tiefgründigen Malvar aus.

Wein Marc Isart
©Sascha Brandenburg

Verflucht lecker

La maldición bedeutet die Verwünschung, obwohl die Weine eher harmoniesuchend sind.

Plaza Mayor Chinchón Madrid
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Säulengänge und Holzbalkone

Chinchón ist berühmt für seinen zentralen, unasphaltierten Platz, den Plaza Mayor.

Bodega Bernabeleva Juan Diez Bulnes
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Wildes Garnacha-Land

Juan sucht auf seiner Finca im äußersten Südwesten Madrids den Einklang mit der Natur.

Bodega Bernabeleva Madrid San Martín de Valdeiglesias
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Platz für Reben und Bäume

Die Weinberge der Bodega Bernabeleva sind der Inbegriff für extensive Landwirtschaft.

Bodega Tinta Castiza Wein Madrid
©Sascha Brandenburg

Früher Masse, heute Handwerk

Die Bodega Tinta Castiza befindet sich im alten Gebäude der ehemaligen Kooperative von El Molar.

Bodega Tinta Castiza Madrid
©Sascha Brandenburg

Viel Potenzial, wenig Renommee

Carlos betreibt eines der wenigen Weingüter in El Molar, der Subzone im Nordosten Madrids. Er möchte die vergessene Region wieder auf die Weinlandkarte bringen.

Bodegaviertel El Molar Madrid
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Arabisches Erbe

In vielen der alten Höhlen El Molars finden sich heute Restaurants und Bars.

Wein Kooperative Chinchón Madrid
©Sascha Brandenburg

Viel Platz für immer weniger Wein

Früher wurden in der ehemaligen Kooperative von Chinchón 7 Millionen Kilo Trauben verarbeitet. Heute sind es 1,7 Millionen Kilo - Tendenz sinkend.

vino sobremadre madrid
©Sascha Brandenburg

Vom Aussterben bedrohte Weinkultur

Nur noch ganz wenige Bodegas in Madrid produzieren vinos sobremadre, eine Art traditioneller Orangewein mit genau festgelegtem Herstellungsverfahren.

Chinchón Madrid Tourismus
©Sascha Brandenburg

Uno de los pueblos más bonitos de España

Chinchón ist Mitglied der Vereinigung der "Schönsten Dörfer Spaniens".

Citroen Méhari
©Sascha Brandenburg

Alte Reben und alte Autos

Das Weinbergsauto der Bodega Bernabeleva ist ein Citroen Méhari.

Citroen Mehari
©Sascha Brandenburg

Kann es etwas Schöneres geben?

Mit dem Citroën Méhari der Bodega Bernabeleva durch die Weinberge im Südwesten Madrids.

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