
Naturwein auf Mallorca – ein Zeichen für den Wandel
Selva Vins hat Naturwein auf der Insel salonfähig gemacht.
Die Türen der kleinen Bodega stehen offen. Ein kühler Hauch von Stein, Sonne und frischen Trauben liegt in der Luft und Rockmusik tönt heraus. Die Bodega ist kaum größer als drei oder vier Garagen. Ein schlichter Schreibtisch steht in der Ecke, eine gemütliche Sitzecke lädt zum Verweilen und Probieren ein. In einem weiteren Bereich stehen Edelstahltanks, daneben eine kleine Ecke, in der der Wein von Hand gefertigt wird – einfach und funktional, aber voller Charme. Hier arbeitet Carlos Rodríguez Furthmann, er ist der Erste, der auf Mallorca begonnen hat konsequent Naturwein zu produzieren.
»Ich bin eigentlich ein Stadtkind«, beginnt Carlos zu erzählen. Doch schon früh habe er gespürt, dass ihn die Natur stärker anzieht als das urbane Leben. Gemeinsam mit seiner Frau zog aufs Land, in ein kleines Haus mitten in der Natur. Dort entdeckte er einen alten Weinberg, den sein Vater einst gepflanzt hatte – 240 Reben, ohne großen Zweck. »Ich hatte keine Ahnung von Weinbau«, gesteht er. Also fragte er die alten Leute im Dorf um Rat. »Sie zeigten mir, wie man Reben schneidet, bindet, pflegt – und ich verliebte mich in diese Pflanze.« Die Rebe faszinierte ihn, weil sie im Winter tot scheint und im Frühling mit voller Kraft zurückkommt. »Das hat mich berührt«, sagt er. Carlos arbeitete sich in den Weinbau ein, übernahm bald mehr Verantwortung auf einem großen Weingut. Er hat für viele der »Großen« auf Mallorca gearbeitet. Doch je weiter er in die industrielle Seite des Weinmachens vordrang, desto mehr fremdelte er mit ihr: »Der Wein wurde kontrolliert, korrigiert, angepasst – für mich verlor er seine Seele.«
2012 besuchte Carlos die RAW Wine Fair in London. Dort erlebte er einen Wendepunkt. Er erkannte, dass Wein auch anders gemacht werden kann – spontan, wild und lebendig. Ab diesem Moment stand für ihn fest: Wenn er selbst Wein herstellen würde, dann auf natürliche Weise. 2015 fand er eine leerstehende Bodega in Selva. Die Genehmigungen waren vorhanden, also machte er sich daran, seine Vision umzusetzen – ohne Maschinen, ohne Tanks, aber mit viel Mut. Alles musste improvisiert und geliehen werden, doch das Konzept funktionierte. So entstand Selva Vins.
















