5. November 2023

Alte Reben machen tolle Weine?

Alte Reben können fantastische Weine ergeben. Können ...

Meine erster intensiver Austausch über das Thema alte Reben war um 2005 mit Rodolfo Valiente von Bodegas Vegalfaro aus Valencia. Beim Besuch des Weinguts zeigte er junge Anpflanzungen, ältere Bestände, viele Mandelbäume und Pago de los Balagueses (eine DO Vino de Pago). Auf dem Weg kamen wir an knorrigen Reben vorbei, die Rodolfo kurz vorstellte als: Gehören der Familie meines Onkels und werden von mir bewirtschaftet. »Kannst du bitte anhalten?«, fragte ich. Meiner Meinung nach mussten diese Reben fantastische Weine ergeben, bei dem Aussehen und bestimmt waren sie alt. Ja, um die 80 Jahre. »Aber wieso muss das guten Wein ergeben?«, fragte Rodolfo. Weil alte Reben weniger Ertrag geben und viel konzentriertere Beeren haben und sich selbst reduzieren und überhaupt. Nun, was Rodolfo dazu meine, hat meine Ansicht über alte Reben in Frage gestellt. Die Familie seines Onkels hatte zu der Zeit keine finanziellen Mittel und haben irgendwelches Pflanzmaterial verwendet. Dieses war weder einheitlich, noch gesund oder sonst etwas. Über die Jahre starben ganz natürlich immer wieder Reben ab, die durch andere ergänzt wurden, teilweise waren auch mit anderen Rebsorten. Insgesamt ist der Bestand ein Chaos und die Qualität der Trauben sind ok für seine mittlere Linie. Top sind alte Reben nicht alleine, weil sie schon ewig herumstehen.

Wenn man sich alte Reben ansieht, tauchen Dinge wie Krankheiten auf. Früher wurden von einer Rebe andere Stecklinge produziert. Falls die Rebe eine Krankheit hatte, wurde diese mit dem Steckling weitergegeben und infizierte sogar andere Bestände, in welche diese gepflanzt wurde. Zusätzlich gab es verschiedene Arten die Rebe zu schneiden. Zu manchen Zeiten kam es dabei nur auf die Menge an. Reben wurden auf Masse getrimmt, damit der enorme Marktbedarf gedeckt werden konnte. Diese so »erzogenen« Reben nach Jahren wieder an einen anderen Schnitt zu gewöhnen kostet Zeit und führt nicht automatisch zum gewünschten Ergebnis.

Also begann ich mich mit dem Thema auseinanderzusetzen und es kamen weitere Teile zu meinem Gesamtbild hinzu. Häufig führt eine hohe Nachfrage in Bezug auf eine Art Wein dazu, dass alles verarbeitet wird und in die Produktion eines Weingutes einfließt, die die Nachfrage abdeckt. Selbst wenn der Winzer nicht von der Qualität überzeugt ist. Aber es verkauft sich.

Ein Aspekt beim Alter der Reben ist die Frage, ob es eine Definition im betroffenen Land für »Alte Reben« gibt.

Junge Weinbauregionen können eine Geschichte von vielleicht 35 Jahren aufweisen. Für Weingüter dort sind 25 Jahre und mehr bereits »Alte Reben«.

Am liebsten reise ich kurz vor der Lese durch . Dabei beobachte ich wie die Reben aussehen. Wurde bereits gelesen? Wurden Trauben herausgeschnitten und Blätter entfernt? Bei einer Reise durch Jumilla vor einigen Jahren wieder dieses Bild: Wunderschöne alte, knorrige Reben, jede von ihnen ein Kunstwerk. Gleichzeitig hingen Unmengen an Trauben an den Reben. Eine klare Aussage, dass dies nichts mit der Region zu tun hat. Egal wo man weltweit hingeht, es gibt verschiedene Ansätze im Weinbau. Wie wird Rebschnitt praktiziert? Welche Erntemenge möchte man erzielen und für welchen Markt wird produziert? Und der Massenmarkt ist immer noch weit in Führung, wenn es um die Nachfrage für Wein geht. Deshalb werden Reben im Regelfall auch nicht sehr alt. Sobald die gewünschten Erntemengen nicht mehr erzielbar sind, reißt man die alten Reben raus und pflanzt neue.

In manchen Ländern wird aus einer Rebe das Maximum herausgeholt. Ist etwa so, wie bei einem Hochleistungssportler. Für einige Jahre geht das, aber dann ist eine Grenze erreicht, bei der die Rebe nicht mehr die verlangte Leistung erzielen kann. Und wir sprechen über Hochleistung, also Masse. Dann kann es sein, dass bereits nach wenigen Jahrzehnten die Rebe ersetzt wird, da auf einem Hektar das Maximum erzielt werden soll. Also lässt man neue Hochleistungssportler heranwachsen und macht weiter.

Zwei Dinge hört man häufig bei teuren und namhaften Weinen: Alter der Reben und Menge pro Hektar. Das Alter haben wir etwas beleuchtet. Und die Menge pro Hektar? Alte Rebbestände wurden häufig noch mit viel Platz dazwischen gepflanzt. 1.000 bis 3.000 Pflanzen pro Hektar waren genug. Heute werden 6.000 bis 10.000 Reben und mehr pro Hektar gepflanzt. Welche Aussage gibt mir ein Wert wie Menge pro Hektar, wenn ich nicht weiß, wie viele Reben das produziert haben? Vielleicht ist ein Wert für 10.000 Reben pro Hektar extrem gering. Wenn allerdings der Bestand nur 1.000 Reben auf dem Hektar ist, klingt die Menge plötzlich extrem hoch. Heißt viel interessanter fände ich eine ungefähre Menge pro Rebe, weil dies wirklich einen Bezug erlauben würde.

Rodolfo Valiente hat inzwischen konsequenter Weise aufgehört alte Reben auf die Flasche zu schreiben. Sein Wein Bobal Anfora Biparcelario stammt von zwei Rebflächen, mit einem Alter von über 100 Jahren bei Arcilla (Ton) und um die 80 Jahre bei Caliza (Kalkstein). Die älteren Reben bringen einen deutlich höheren Ertrag, mit Frische, während die jüngeren geringere Erträge bringen mit mehr Reife. Beide Dinge möchte er in seinem Wein haben: Eine reife Frucht, mit einer ansprechenden Frische. Deshalb verarbeitet er Bobal von beiden Parzellen, um das gewünschte Ergebnis zu erreichen. Das Alter ist dabei eher Nebensache.

Als Fazit kann man sagen, dass alte Reben fantastische Weine ergeben können, falls das Weingut dieses anstrebt. Ebenso sind Angaben über Ertrag pro Hektar ein Anhaltspunkt, allerdings kein Alleinstellungsmerkmal für Qualität. Wichtig ist es den Wein zu probieren und herauszufinden, ob er die eigenen Erwartungen erfüllt.

Knorrige Dinger
©Jörg Philipp

Alte Reben

Irgendwo in Spanien

ach ist das schön
©Jörg Philipp

Alte Reben

Herbstimpressionen

da hängt ordentlich Material
©Jörg Philipp

Alte Reben

Darfs ein bisschen mehr sein?

alter Sack
©Jörg Philipp

Alte Reben

Können locker über 100 Jahre alt werden.

In Madrid mit Kringel
©Jörg Philipp

Alte Reben

Sind teilweise in verstecken Ecken Spaniens

Art in Nature
©Jörg Philipp

Alte Reben

Können faszinierende Formen annehmen

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