Dafür fangen wir mal mit den Eigenschaften von Garnacha an und schauen, für welche Ecken der Welt sie geeignet ist. Die Garnacha Traube wächst optimal in heißen, trockenen und windigen Bereichen. Andererseits ist sie anfällig für Pilzkrankheiten wie echten und falschen Mehltau, neigt zum Verrieseln und hat eine lange Wachstumsfase.
Mal eines nach dem anderen. Wenn eine Rebsorte früh blüht und als eine der letzten reif wird, darf es weder Frühfröste geben oder im Frühjahr kalt sein, noch im Herbst regnen oder feucht werden. Gleichzeitig hilft Wind beim Verhindern von Pilzkrankheiten. Pilze mögen es lieber feucht und gleichmäßig, was durch heftigen Wind verhindert wird. Und jetzt der Punkt des Verrieselns. Verrieseln heißt, dass in der Zeit der Blüte die Bestäubung nicht richtig funktioniert und deshalb nur wenige Beeren entstehen. Ein wichtiger Punkt beim Verrieseln ist z. B. Wind. Wenn es sehr windig ist, findet keine Bestäubung statt und es entwickeln sich wenig Beeren. Sagen wir mal so: Es braucht Wind, damit es keine Probleme mit Pilzkrankheiten gibt, gleichzeitig verhindert Wind eine große Menge an Garnacha Trauben. Also ist Wind hilfreich bei Krankheiten und schlecht bei der Menge. Trotzdem ist Garnacha eine Rebsorte mit ordentlich Masse und hohem Zuckergehalt, welches dann zu fett Alkohol wird beim Gären.
Wo ist der Ursprung der Garnacha Traube?
Um die Garnacha Traube ranken sich zwei Theorien.
Die erste geht von Spanien aus und dort Aragonien. Von dort ging die Garnacha-Rebe dann während der Herrschaft von Aragonien auf Reise über das Mittelmeer.
Eine zweite Theorie geht von Sardinien als Ursprung aus, dort heißt die Rebsorte Cannonau, und die Valencianer haben sie auf das Festland gebracht.
Wir halten uns an die aktuelle wissenschaftliche Meinung, dass Aragonien in Spanien die Wiege der Garnacha Traube ist. Bestätigt wurde das durch DNA Analysen und dort über Marker bei der Rebsorte. Zwar ist alles Garnacha, gleichzeitig gibt es Unterschiede. Um diese Unterschiede zu entwickeln, benötigt eine Rebsorte in einer Region einen langen Zeitraum. Je weniger Unterschiede es bei der Rebsorte in einer Region gibt, umso kürzer wird diese dort vermutlich angebaut.
Die Geschichte hinter dem Garnacha-Wein
Die erste Jahreszahl ist 153 v. Chr. und wird von der Vereinigung Garnacha Origen erwähnt. Blätter und Kerne von Ausgrabungen wurden nach der Carbon-Methode analysiert und bestimmt. Schriftlich dokumentiert wurde die Garnacha Traube erstmals 1513 von Alonso de Herrera, als dieser von einer Rebsorte »Aragonés« berichtet, die heute als Garnacha interpretiert wird.
Während der Herrschaft des aragonischen Königshauses, wanderte die Garnacha Traube ins Roussillon, Südfrankreich gesamt, Sardinen, Italien und Teile Griechenlands. Im 19. und 20. Jahrhundert wurde Garnacha /Grenache von den Franzosen in deren afrikanische Kolonien eingeführt und durch Migranten in die Welt hinausgetragen. In Australien war Garnacha die meistangebaute Rebsorte, bevor sie von der populären Shiraz überholt wurde. Bis in die 1990er war Garnacha die meistangebaute rote Rebsorte der Welt.
Heute wird die Garnacha Traube vor allem für ihre Hitzebeständigkeit und Trockenheitsresistenz geschätzt. Außerdem werden alte Rebbestände geschützt und erhalten, die nicht früheren Rodungsprogrammen der Europäischen Union zum Opfer gefallen sind. Wenn es Geld gab für das Entfernen von Reben, traf es meistens alte Bestände. Anschließend wurde mit neuen, produktiveren Pflanzungen, wieder aufgestockt. Masse statt Klasse war lange ein bestimmendes Bild beim Anbau von Reben.
Was macht die Garnacha Traube aus?
Garnacha Tinta kann so ziemlich alles beim Wein. Durch verschiedene Mutationen (mehr dazu später bei Varianten und Synonyme), gibt es Weiß-, Rosé-, Rot-, Schaum- und Süßwein aus dieser wandlungsfähigen Rebsorte.
Allgemein gesprochen passt sich die Garnacha Traube gut an, ist genügsam, bringt hohe Erträge und viel Alkohol. Und genau deshalb wurde Garnacha Wein schlecht angesehen und die Rebsorte von Tempranillo verdrängt.
Zur Verdeutlichung: In der Weinregion Rioja waren in den 1970er ca. 30.000 ha der Garnacha Traube angebaut. Zu Beginn der 2020er Jahre waren noch 5.000 ha übrig.
Wieso nimmt der Bestand der Garnacha Traube ab?
Vermutlich trug der Effekt des »Agarchanado« wesentlich zum schlechten Ruf beim Garnacha Wein bei. Hierbei wird darauf angespielt, dass bei überreifen Trauben und dem Ausbau mit viel Sauerstoff, die Weine schnell oxidieren. Sie riechen in Richtung Sherry nach Nüssen, Dörrobst und Gewürzen, gepaart mit ordentlich Alkohol. Deshalb wurde ab den 1970ern kontinuierlich auf die Garnacha Traube verzichtet und auf andere umgeschwenkt. Zuerst auf Tempranillo und später kamen Rebsorten wie Cabernet Sauvignon, Merlot und Syrah hinzu.
Welche Länder bauen Garnacha Trauben an?
Insgesamt stehen rund 50 % aller weltweit angebauten Garnacha Trauben in Spanien und Frankreich hält um die 38 % aller Anpflanzungen.
Die OIV hat eine Zahl veröffentlicht, die nur Garnacha Tinta, bzw. Grenache Noir, beinhaltet und von 163.000 ha weltweit in 2015 spricht.
Der Vollständigkeit halber hier alle Länder mit einem Bestand von über 100 Hektar an Garnacha Reben in absteigender Reihenfolge:
Spanien,
Frankreich,
Italien,
Algerien,
USA,
Tunesien,
Australien,
Marokko,
Südafrika,
Mexiko und
Kroatien.
Um die Sache allerdings kompliziert zu machen, haut jedes Land und jede Homepage eine eigene Statistik raus. Manchmal werden alle Farbe von Garnacha zusammen genommen. In anderen wird nur über Garnacha Tinta gesprochen und wieder andere zählen Alicante Bouchet, will sagen Garnacha Tintorera dazu. Ein heilloses Durcheinander für jemanden wie mich, mit einem Statistikschein und einem Hang zu Zahlen.
Die wichtigsten spanischen Anbaugebiete für Garnacha-Wein
Gründung DO: 1984.
Besonderheit: Somontano bedeutet »Am Fuße des Berges« und die Region teilt sich in drei Bereiche auf. 1. Die Hänge der Pyrenäen 2. Am Fuße der Pyrenäen 3. Flache Bereiche im Anschluss.
Stilistik: Somontano bereitet fruchtige, moderne Garnacha-Weine , die nach Pflaumen und Kirschen riechen, sowie im Holz ausgebaut Vanille zeigen.
Klima: Aus den Pyrenäen kommt Nachts kühler Wind und tagsüber ist es warm.
Böden: Rote Sandstein- und Lehmböden, mit geringem Nährstoffgehalt.
Gründung DO: 1990.
Besonderheit: Calatayud hat für die Garnacha Traube einen extra Status »Superior Calatayud« geschaffen. Hierfür sind geringe Erträge von mindestens 50 Jahre alten Reben vorgeschrieben, sowie mindestens 85 % Garnacha. Durch die Buscherziehung ist Calatayud noch eine klassische Region der Handlese. Gleichzeitig werden Garnacha-Weine mit moderner Technik ausgebaut.
Stilistik: Die aromatisch, mineralischen Weine sind gut strukturiert und geben ein volles Mundgefühl.
Klima: Trockene Winde, schwankende Temperaturen und Frostgefahr herrschen in Calatayud.
Böden: Bestehen aus grauem und roten Schiefer, Kalkstein, Lehm und Ton, sowie vereinzelt Kieselsteine.
Gründung DO: 1954, ab 2001 DOCa.
Besonderheit: Das Priorat wurde in den 1980ern aus einem Dornröschenschlaf erweckt, als innovative Winzer das Potential sahen. Die Hauptrebsorten sind Garnacha Tinta und Carineña (Mazuelo).
Stilistik: Im Katalonien ist die Heimat der Kooperativen und hat einen sehr hohen Anteil an Garnacha Tinta und Garnacha Blanca. Garnacha Blanca ist die Besonerheit in Terra Alta und der hohe Anteil beeindruckend. Insgesamt stehen über 30 % der weltweiten Garnacha Blanca Reben in Terra Alta, die dort sehr spannende, qualitativ hochwertige Weißweine hervorbringen. Stilistik: Terra Alta bringt viele Weinstile hervor. Bei Garnacha blanca sind das Weine mit einer frischen Säure, cremig, und intensiven Aromen nach Zitrus, Pfirsich und weiße Blüten. Klima: Warme Winde aus vom Norden und warme aus dem Süden. Böden: Überwiegend Kalkstein und Lehm.
Gründung DO: 1990.
Besonderheit: Campo de Borja baut überwiegend rote Rebsorten an und es dominiert die Garnacha Traube. 40 % der Reben haben ein Alter zwischen 30 und 50 Jahren. Sowohl Kooperativen als auch private Weingüter prägen die Weinlandschaft dieses Anbaugebiets in Aragon.
Stilistik: Aus der Region gibt es fantastische Weine fürs Geld. Das reicht von kraftvollen, intensiven Weinen aus tieferen Lagen, bis zu eleganten, leichten Weinen aus höheren Lagen. Es ist alles da, was das Weintrinkerherz bei Garnacha Rotwein begehrt.
Klima: Kalte Winter mit heißen Sommern und ein trockener Wind Namens »Cierzo« prägen das Klima. An machen Ecken mildert der Fluss Ebro diese Extreme.
Böden: Sind sehr vielseitig in der Region.
Gründung DO: 1932.
Besonderheit: Carineña liegt ebenfalls in Aragon und lebt vom Wein, welches den wichtigsten Wirtschaftszweig darstellt.
Stilistik: Die Garnacha Weine reichen von kraftvoll intensiv, über fruchtig elegant, bis intensiv fruchtig modern. Durch die Reifung im Holzfass erhalten Garnachas aus Carineña eine würzige Note.
Klima: Extreme Tag-Nacht-Schwankungen bei der Temperatur. Hagel und intensive Winde stellen eine permanente Gefahr dar und die Sommer sind durchgängig sonnig und heiß.
Böden: Vier verschiedene Tonböden sind vertreten, gepaart mit braunen Kalkböden.
Gründung DO: 1933.
Besonderheit: Heute nennt sich die Region wieder selbst »Land der Garnacha«. Lange hat Navarra nach seiner Identität gesucht, und diese mit Rosé und Garnacha wieder gefunden. 90 % der Reben sind rote Sorten. Navarra teilt sich in fünf Bereiche auf: Tierra Estella, Valdizarbe, Baja Montaña, Ribera Alta und Ribera Baja. Ein Teil Navarras gehört zur DOCa Rioja. Noch heute sind Süßweine aus der Garnacha Traube eine Spezialität, die im Freien unter der Sonne gereift werden.
Stilistik: Fruchtbetonte Weine, in moderner Stilistik. Gerne wird auch mit Cabernet Sauvignon und Merlot gearbeitet und etwas mit Holz für die Würze.
Klima: Der nördliche Teil in Nähe der Berge ist kühl und etwas feuchter, im südwestlichen Teil heiß und trocken, in der Nähe des Ebro mediterran und gemäßigt.
Böden: Über die fünf Untergebiete herrschen sehr unterschiedliche Böden vor.
Synonyme und Mutationen der Garnacha Traube
Für einen Überblick der 154 offiziell festgehaltenen Synonyme der Garnacha Traube, empfehle ich einen Blick auf die Homepage des Julius Kühn-Institut im Bereich für Rebsorten.
Um den Überblick zu behalten nenne ich mal 10 Synonyme, die wahlweise typisch sind oder mal etwas anderes.
Aragones,
Black Spanish,
Grenache (Noir),
Cannonau,
Lladoner,
Tai,
Schwarze Alicanttraube,
Toccai Rosso,
Uva di Spagna,
Vernaccia Nera.
Wenn eine Rebsorte derartig alt ist passieren sogenannte Mutationen. Mutationen sind Änderungen an der Rebsorte, ohne das eingegriffen wurde. Im Fall von Garnacha kam irgendwann eine weiße Version (Garnacha Blanca) ins Spiel, die vermutlich herausgefiltert und vervielfältigt wurde. Gleiches gilt für eine leicht rote Version (Garnacha Gris) und eine mit haarigen Blättern (Garnacha Peluda).
Verbreitete Varianten der Garnacha Traube:
Garnacha tinta,
Garnacha gris,
Garnacha blanca,
Garnacha peluda.
Kreuzungen mit Garnacha
Zwei Kreuzungen mit der Garnacha Traube sind besonders erwähnenswert und für die Weinwelt von Bedeutung.
Garnacha Tintorera wurde 1855 von Henri Bouschet auf der Domaine de la Calmette gezüchtet. Daher rührt auch die Bezeichnung der Rebsorte Alicante Bouschet. Als Kreuzungspartner wurden Bouschet Petit (1829 von Louis Bouschet aus Teinturier und Aramon gekreuzt) und Garnacha Tinta verwendet. Bereits vor über 15 Jahren wurde mir bei Besuchen erläutert, dass man Garnacha Tintorera als einheimische Rebsorte in der Region Almansa ansieht. Sicher ist seit der Kreuzung und Einführung der Rebsorte in Spanien viel Zeit vergangen. Gleichzeitig ist sie keine Mutation einer Garnacha Variante, weshalb sich mir die Nennung in manchen Quellen bei den Typen (Mutationen) nicht erschließt.
Marselan wurde 1961 durch Paul Truel aus Cabernet Sauvignon und Garnacha Tinta gezüchtet. Idee war die Qualität des Cabernet Sauvignon mit der Robustheit und Produktionsmenge der Garnacha Traube zu kombinieren. Qualität und Robustheit hat funktioniert, nur das mit der Menge war so eine Sache. Erst um 2000 wurde in Südfrankreich der erste reine Marselan Wein ausgebaut. Heute setzen sowohl Uruguay, als auch China große Hoffnung in diese Rebsorte. Und Bordeaux hat Marselan zu einer zugelassenen Rebsorten erkoren.
Die Zukunft der Garnacha Traube?
Im ersten Moment spielen die klimatischen Veränderungen Garnacha in die Karten. Heiß und trocken ist das neue Normal und die Rebsorte Garnacha passt dazu. Gleichzeitig führt das zu hohen Alkoholwerten und der Markt möchte lieber leichte Weine mit weniger Alkohol. Hier kommt Garnacha Peluda ins Spiel. Wie bei Kräutern in heißen Regionen, bildet die Rebsorte Haare auf den Blättern aus, die eine geringere Temperatur und Verdunstung begünstigen. Dadurch wird nicht so viel Zucker aufgebaut und viele dieser Garnacha Weine sind eher im Bereich von 12 vol.% Alkohol.
Und wer nach der Story nicht neugierig auf die Garnacha Traube ist, dem kann ich nicht helfen. 😉
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