26. Februar 2025

Eine Garnacha Wein-Reise durch Spanien – Teil 1: Garnacha Rotwein

20 Garnachas im TodoVino-Test

Tempranillo, Verdejo und Co? Klar, diese spanischen Weine kennt man, sie stehen in jedem Supermarkt- und Weinladen-Regal und waren sicher auch schon mal in deinem Weinglas. Aber wie steht es um Garnacha-Wein? Schon mal probiert? Wenn nicht, solltest du das nachholen. Es lohnt, sich mit dieser alten spanischen Rebsorte zu beschäftigen, die so vielschichtige, hochwertige Weine hervorbringen kann. Und weil sich das gelegentlich Leute fragen, klären wir das gleich vorweg: die Garnacha Aussprache ist übrigens ganz einfach. »Garnatscha«. So wie die Südtiroler Rebsorte Vernatsch. Nur anders.

Bis vor einigen Jahrzehnten war Garnacha Tinta in Spanien allgegenwärtig und nicht nur da: sie war sogar die meistangebaute rote Rebsorte der Welt. Wie einen armen alten Lastesel hat man sie über die Felder gescheucht, ihre Bedürfnisse und Potenziale missachtet, um möglichst hohe Erträge zu erzielen. Das hat freilich auch gut funktioniert, sie war nicht ohne Grund überall vertreten. Aber als sich die Gaumen und Ansprüche der Weinfans verfeinerten, wurde Garnacha-Wein in Spanien auf einmal leicht schief angesehen – zu dick und plump war das Ergebnis häufig. Garnacha Tinta musste Platz machen für den neuen Liebling Tempranillo, dem mehr Eleganz zugeschrieben wurde und dessen Barrique-gereifte Vertreter aus Rioja und Ribera del Duero dem neuen allgemeinen Geschmack mehr entsprachen.

20 Garnacha-Weine im TodoVino-Test

Heute hat sich das Blatt wieder gewendet – einige der spannendsten und höchstprämierten Weine Spaniens sind Garnachas. Denn viele Weingüter in allen spanischen Anbauregionen setzen seit Jahren ganz stark auf Qualität und den berühmten »Terroir“-Ausdruck. Zeit, sich auch mit dem Glas in der Hand eingehender mit dem factettenreichen Garnacha Wein-Geschmack zu beschäftigen.

Wie schmeckt Garnacha-Wein?

Wir haben im Rahmen einer großen Blindverkostung 20 Garnacha Rotweine aus Spanien probiert, alle trocken:

  • Garnacha aus Almansa

  • Garnacha aus Calatayud

  • Garnacha aus Campo de Borja

  • Garnacha aus Montsant

  • Garnacha aus Navarra

  • Garnacha aus dem Priorat

  • Garnacha aus der Sierra de Gredos (Madrid und Cebreros)

  • Garnacha aus Somontano

Diese Liste bildet die meisten der wichtigsten Anbaugebiete für Garnacha Wein in Spanien ab (mit einem Schwerpunkt in Aragon, diese Region gilt als Geburtsstätte der Garnacha-Rebe). Vollständig ist sie nicht. Die Rebsorte spielt auch eine wichtige Rolle in Rioja, Galicien, Extremadura...eigentlich fast überall.

Eine ausführliche Einführung in die Geschichte und die Eigenschaften dieser urspanischen Traubensorte findest du in unserem Artikel »Die meistangebaute spanische Rebsorte der Welt? Garnacha!«. Und wenn dir dort noch eine Info fehlt, dann schau mal in den Garnacha Wein Wikipedia-Artikel.

Also, mach dich auf einen langen Artikel gefasst. Aber dafür haben wir ein paar wirklich schöne Garnacha Wein-Empfehlungen zu Portemonnaie-freundlichen Preisen für dich. Denn die meisten der getesteten Weine, die uns überwiegend von den jeweiligen Bodegas als Kostmuster zur Verfügung gestellt wurden*, fallen in die Kategorie »junge, gute Alltagsweine«. Beeindruckend war es, dass es diesmal kaum Ausfälle gab. Klar, der ein oder andere Garnacha-Wein war vielleicht nicht besonders spannend. Aber alle waren gut gemacht und zeigten den jeweiligen regionalen Charakter – ein Zeichen für die hohe Qualität, die die spanischen Weingüter aktuell bei Rotweinen aus der Rebsorte Garnacha Tinta erzielen. Aufgrund der schieren Masse sind wir kaum auf die jeweiligen Ausbauarten eingegangen, aber alle Garnachas haben im Zuge ihrer kürzeren oder längeren Reifung Holz gesehen.

Ausführlichere Verkostungsnotizen zu den einzelnen Garnacha-Weinen findest du wie immer unter dem Artikel sowie in unserem »Weinkeller«.

Garnacha-Weine aus Almansa

Almansa...nie gehört? Tatsächlich ist dieses kleine, auf 700 – 1.100 Meter Höhe gelegene Weinbaugebiet im Osten der Provinz Albacete, auf halber Strecke zwischen Murcia und Valencia, im Ausland kaum bekannt. Von den 12 Bodegas der DO Almansa hat sich vor allem Atalaya einen Namen gemacht, ein Weingut, das zu den Gil Family Estates gehört. Zwei Bio-Rotweine von Atalaya waren bei unserem Garnacha-Test vertreten. Darunter ein Garnacha Tintorera (der einzige bei unserem Tasting) – diese Rebsorte, eine der wenigen mit rotem Fruchtfleisch, dominiert in Almansa. Garnacha Tintorera ist streng genommen keine Garnacha-Variante, sondern eine Kreuzung aus Garnacha und Petit Bouschet. Der El Vigía de la Atalaya 2023 ist ein reinsortiger Garnacha Tintorera und zeigt sowohl feine Frucht und florale Noten als auch kräftige, leicht ungestüme Tannine, Raucharomen sowie eine spürbare Säure. Schöner Garnacha-Wein, der aber vermutlich von einigen weiteren Monaten Flaschenreife profitiert. Dagegen ist der La Bien Plantá 2023, ein Garnacha Tinta, sofort bereit, sich im Glas einzurichten: interessante rotfruchtige Nase, eher leicht und parfümiert, mit vegetabilen Akzenten. Im Mund tendenziell saftig-seidig, mit leiseren Tanninen und schöner leichter Lakritznote. Guter Tapas-Süffelwein.

Apropos Tapas und spanische Küche: Kennst du schon unsere tollen Rezepte aus Spanien?

Garnacha-Weine aus Calatayud

Calatayud ist Garnacha-Land. Das Weinbaugebiet ist nach der für ihre Mudéjar-Architektur bekannten Stadt Calatayud im Westen Aragons benannt. Die Weinberge liegen zwischen 650 und 1.100 Meter hoch, wodurch sich der Charakter der Garnacha-Weine bspw. vom tiefer gelegenen und heißeren aragonesischen Weinbaugebiet Campo de Borja unterscheidet. Bei unserer Probe waren drei Garnachas aus Calatayud vertreten: zwei Weine der auch zu den Gil Family Estates gehörenden Bodegas Ateca sowie einen Rotwein der Kooperative San Alejandro. Der bio-zertifizierte Salto de Rana 2023 (14,5 %, rund 7 €) brauchte etwas Zeit, um sich zu öffnen und zeigte dann viel reifere Frucht und Würze bei einem kraftvollen, eher dunkleren Charakter, der noch etwas seine Balance suchte. Ein einfacher, vollmundiger Garnacha-Wein, der gut zum Grillen passt. Dagegen war der Atteca Garnacha Old Vines (Alte Reben) 2022 (14,5 %) deutlich balancierter, konzentrierter, mit mehr Körper, präsenten Holz- und Reifenoten und gutem Gerbstoffgerüst. Schöner Garnacha Tinta mit gutem Preis-Genuss-Verhältnis (rund 13 €), den wir uns gut als Begleiter zu kräftig-würzigen Gerichten, wie Braten mit Sauce, vorstellen können.

Dann der Querencia Deseya 2022 (14,5 %), ein Bio-Garnacha der großen Kooperative San Alejandro. Wer denkt, Kooperativen machen keine guten Weine, irrt sich und Bodegas San Alejandro sind ein Beweis dafür (ein weiteres gutes Beispiel ist die Montsant-Kooperative Celler de Capcanes, der wir im vergangenen Jahr einen Besuch abgestattet haben). Auf rund 1.000 Meter Höhe werden vielleicht keine spektakulären, aber richtig schöne Weine zu sehr Portemonnaie-freundlichen Preisen auf die Flasche gezogen. Der Querencia Deseya ist gehaltvoll, konzentriert, harmonisch, zeigt mehr weihnachtliche Gewürze als Fruchtnoten, was aber durchaus stimmig ist, wenn man diesen Stil mag. Guter Abgang. Dieser Garnacha-Wein für rund 16 Euro hat übrigens Gold beim Organic Wine Award International erhalten. (Ein weiterer Tipp von diesem Weingut ist übrigens der bei dieser Probe nicht vertretene Garnacha Baltasar Gracián für rund 10 Euro, der viel Wein für's Geld liefert).

Garnacha Weine aus Campo de Borja

Garnacha-Wein aus Campo de Borja zeichnet sich durch dichte, kräftige, konzentrierte Rotweine aus. Der Flor de Morca Garnacha 2023 der zu den Gil Family Estates gehörenden Bodega Morca zeigt bei 14,5 Umdrehungen einen kräftig-warmen, fleischig-fruchtigen, etwas rustikalen Charakter. Ein schöner, einfacher Tapas-Wein (Preis 9-10 €).

Aus dem selben Jahr stammt der Coto de Hayas Garnacha Centenaria 2023 (14,5%), eine Marke der Bodegas Aragonesas. Die Kooperative ist einer der größten und bekanntesten Player in Aragon. Trotz des jungen Jahrgangs deutet die Nase eher auf einen gereiften Wein hin oder einen mit viel Sauerstoffkontakt – möglicherweise spielen hier die hundertjährigen Garnacha-Reben mit rein. Hier gibt’s Konzentration, Reife, Balance, hintergründige Beerenaromen, Kräuter und von Vanille umgarnte Gerbstoffe. Spannender Charakter für einen jungen Wein (Preis 10-11 €).

Der andere bekannte Name, wenn es um Garnacha-Wein aus Campo de Borja geht, ist die Bodega Borsao – und ein weiterer Beweis dafür, dass Kooperativen sehr gute Weine machen können. Der frische, harmonisch-balancierte Viña Borgia vereint konzentrierte Fruchtsüße, kräftige Aromen von roten und schwarzen Beeren, florale Akzente sowie würzige Tannine, die die Zunge kitzeln. Toller, eingängiger Tapas-Wein mit etwas Wumms (15 %), der kürzlich beim Organic Wine Award International beeindruckende 97 Punkte abgeräumt hat, während der Wine Enthusiast mit 86 Punkten zurückhaltender bewertete – wir haben diesen Bio-Garnacha bei unserem Tasting eher bei 90 Punkten verortet. So oder so ein schöner Alltags-Garnacha in Bio-Qualität zum kleinen Preis (7-8 €). Bei der Konzentration einen einen kräftigen Gang hochgeschaltet hat der Borsao Cabriola 2019 (15 %, rund 11 €). Sehr präsenter Charakter mit eleganten Anklängen, kraftvoll in Tannin und Ausdruck, konzentrierte, reifere Aromen, die sich fast schon kauen lassen. Fans eines hochkonzentrierten, kraftvollen Rotwein-Stils werden Gefallen an dieser Garnacha-Cuvée finden, die auch mit einem langen Abgang punktet. Zu den Aushängeschildern des Campo de Borja-Weinguts gehört der Borsao Tres Picos Garnacha. Der 2021er Jahrgang (15,5 %) zeigt sich noch jung, mit vergleichsweise zurückhaltender, parfümierter Nase und präsenter Säure im Mund. Aber dieser gut balancierte Rotwein macht schon Spaß mit einem wirklichen tollen Fruchtausdruck mit reichlich Sauerkirsche, floralen Noten und einem Hauch Vanille. Nicht so laut wie der Cabriola, unser Favorit der getesteten Borsao Garnacha Weine, die allesamt überzeugten.

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Garnacha-Weine aus der Sierra de Gredos

Wenn heute über Garnacha aus Spanien gesprochen wird, fällt früher oder später der Begriff Sierra de Gredos. Dieser Gebirgszug westlich von Madrid ist kein eigenständiges Weinbaugebiet, vielmehr tummeln sich gleich drei spanische Denominaciones de Origen (DOs) in dieser Zone: die DO Cebreros (Kastilien und Léon), die DO Mentrida (Kastlien-La Mancha) sowie die westliche Subzone San Martín de Valdeiglesias der DO Madrid. In letztgenannter befindet sich die Bodega Bernabeleva, über die wir bereits im Rahmen unserer Madrid-Weintour berichtet haben. Der Navaherreros Garnacha de Bernabeleva 2022 (14 %) ist der Ortswein und das Zugpferd des Weinguts. Bei der Blindprobe war sofort klar, dass wir uns nun in Gredos-Gefilden bewegen: dieser Garnacha-Wein ist viel leichter, schwebender, mit eleganter Textur, im Mund herb-rotfruchtig-saftig, mit schönen Fruchtaromen und präsenter Nelke-Note. Fein, fein. Ein ganz anderer Garnacha-Stil, der für rund 18 Euro im Laden steht. Übrigens: der Navaherreros war der einzige Garnacha Wein in unserem Tasting, der auch nach einer Woche geöffnet nichts verloren hatte, im Gegenteil!

Der Alto de la Estrella 2021 legt hinsichtlich des Bruchs mit dem klassischen Stil noch eine Schippe drauf – einer der Top-Weine des in der Region Cebreros ansässigen Weinguts Soto Manrique (34 €). Saftiger Charakter, säuerliche, aber herrlich klare Fruchtnoten, die üppige Säure sorgt für einen frischen und schlanken Trinkfluss, der mit sehr mineralisch anmutenden Akzenten garniert ist und einen äußerst langen Abgang hinlegt. Der Wein hat viel sapidez – so nennt man in Spanien bezogen auf Wein die auf der Zunge spürbare »schwere« Verbindung von Mineralität (oder von mir aus Phenolik) und Säure. Könnte auch ein abgefahrener Fruchtsaft-Mix sein. Ein ungewöhnlicher Garnacha-Wein, der sicher polarisiert – uns hat er viel Spaß gemacht! Wo das Weingut die 14,5 Volumenprozent Alkohol versteckt hat, haben wir allerdings nicht herausgefunden...

Garnacha-Wein aus dem Montsant und Priorat

Eine weitere Top-Region für Garnacha in Spanien ist das Priorat, welches als Bezirk gleich zwei herausragende Weinbaugebiete beheimatet: die gleichnamige DOQ Priorat sowie die umgebende DO Montsant. Die Garnachas zeichnen sich häufig durch eine sinnliche Vereinigung von Kraft und Eleganz aus und unterscheiden sich stilistisch meist von den leichtfüßigen Sierra de Gredos-Weinen auf der einen Seite und den schwereren Weinen aus Campo de Borja auf der anderen.

Der in Amphoren ausgebaute Planetes Garnatxes 2021 (Garnachas auf Katalanisch) von Nin-Ortiz ist zugleich unkonventionell und ziemlich süffig. So ein feines, seidiges Säftchen mit ordentlichem Fundament, das sehr anregende, vielschichtige Fruchtnoten zeigt. Spannender Garnacha-Wein aus dem Priorat.

Dagegen ist der gleichermaßen unkomplizierte Montsant-Garnacha Com Tu 2019 von Clos Mogador klassischer unterwegs: zwar auch etwas verspielt, aber mit mehr Power, Würze, Mineralität und kräftigem, wenn auch gezähmtem Tannin. Hier braucht man kein Weinlatein bemühen, das ist einfach lecker!

Willst du mehr über das mythische Priorat erfahren?

Hier kommst du zu unserer ausführlichen Reportage über das Weinbaugebiet Priorat sowie zu unseren Highlights der letzten Priorat-Weinmesse.

Garnacha-Wein aus Navarra

Navarra ist ein spannendes Weinbaugebiet – die DO Navarra hat gleich 5 Subzonen, die sich durch unterschiedliche Terroirs und Weinbautraditionen auszeichnen. Das verbindende Element dieser Weinbauzonen ist vielleicht Garnacha – die Vorzeige-Rebsorte der Region. Entsprechend lautet der Wahlspruch der DO »Tierra de Garnachas« - Land der Garnachas. In unserem Fall müssen wir aber beim Singular bleiben, denn bei unserem Tasting war mit dem Golerga 2023 (14 %, 18-20 €) von Viña Zorzal nur ein Garnacha-Wein aus Navarra vertreten. Aber dafür ein sehr guter: dieser Ortswein aus Lerga von einer der bekanntesten Bodegas des Weinbaugebiets Navarra wusste mit seinem modernen, geschmeidigen Stil zu gefallen. Der elegantere Zuschnitt ist dem laut Weingut »zwei Winter langen« Ausbau in Beton sowie großen Holzfässern geschuldet. Ein eher leiser, dezent parfümierter Garnacha-Wein mit schöner, harmonischer Struktur und eingängigen Kirschnoten. Gut gemacht!

Garnacha-Wein aus Somontano

Ein Weinbaugebiet, das in Deutschland eher ein Schattendasein fristet. Die DO Somontano liegt in der aragonesischen Provinz Huesca am Fuße der Pyrenäen. Dies bietet nicht nur den Rebstöcken schöne Aussichten, sondern auch Besucher:innen der lohnenswerten Somontano Weinroute. Reinsortige Garnacha Tinta-Weine spielen in Somontano zwar nur eine untergeordnete Rolle, sind aber durchaus verbreitet, wie auch unsere spannende Auswahl zeigt. Der Garnacha 2023 (13,5 %, rund 8 €) der bekannten Bodega Laus, die zu Enate gehört und deren Weine in vielen besser sortierten Supermärkten zu finden sind, wusste zu gefallen: hier findet sich ein vergleichsweise schlanker, frischer fruchtig-würziger Rotwein, dessen 4 Monate im Eichenfass zwar spürbar sind, aber den Charakter nicht überlagern.

Ebenfalls frisch sowie noch etwas jung und lebendig steht der Bestué Garnacha 2023 im Glas (13,5 %, rund 8 €). Die Ursprünge dieser Bodega liegen im Jahr 1640, womit es zu den ältesten noch aktiven Weingütern Spaniens zählt. Der Garnacha-Wein zeigt sich fleischig-fruchtig, durch die präsente Säure aber nicht schwer. Die Frucht hat eine süße Note, dazu blumige Akzente, eine leichte Salzigkeit und ein tanningefüttertes Finale. Guter, wenn auch eher unauffälliger Alltagswein.

Auffallen tut dagegen das wie mit einem Bleistift gezeichnete Etikett des Mascún Garnacha 2023 (13,5 %, rund 8 €) der Bodega Osca – nach eigenen Angaben das älteste Weingut des Somontano-Gebiets. Der Inhalt kann sich auch sehen lassen: hier gibt es einen kräftigeren, volleren, wärmer wirkenden Garnacha-Wein, der mit konzentrierten Beerenaromen, etwas Salzigkeit und einer harmonischen Tanninstruktur besticht. Ein süffiger Wein für alle, die es gerne etwas gehaltvoller haben.

Den eingeschlagenen Weg beschreitet der 12 Lunas Garnacha 2023 (14,5 %, 12-13 €) der Bodega El Grillo y La Luna weiter, ein kleines, jüngeres Weingut. Noch voller, schwerer, konzentrierter, mit süßen Spitzen und Tabaknoten im guten Abgang. Die Säure ist präsent und wirkt noch etwas jugendlich, was dem Wein ein paar gute Reifejahre in Aussicht stellt. Insgesamt rund und lecker, gefällt!

Und dann der Nachzügler, der erst nach der Garnacha-Weinprobe eingetroffen ist: der Isábena Garnacha Finca Irene (13,5 %, rund 8 €) der Bodega Bal D'Isábena (siehe nächstes Bild). Dabei handelt es sich um das am nördlichsten gelegene Weingut der DO Somontano mit Weinbergen auf über 700 Meter Höhe. Und tatsächlich weist dieser Garnacha-Wein den schlankesten Körper und eine tolle, seidige Frische im Mund auf. Aromatisch werden dunkle Früchte (Pflaume), etwas Salami und Salmiak-Pastillen sowie weiche Röstnoten geboten, alles von eher zurückhaltender Intensität. Dieser Wein hat ein schönes, unaufdringliches Aroma, aber was wirklich begeistert ist die elegante Textur, dieses Glatte, Kühle, Geradlinige, Seidige. Eine schöne Überraschung zu einem Top-Preis!

Fazit: Trinkt mehr Garnacha-Wein!

Nach diesem wilden Ritt durch spanische Garnacha-Gefilde ist klar: Rotweine aus Garnacha Tinta und Co sollten nicht nur Weinfreaks überlassen werden, sondern bei allen Weinliebhabern öfter mal auf dem Tisch stehen. Denn in allen Weinbaugebieten finden sich tolle Tropfen zu überschaubaren Preisen – und ist es nicht immer eine Freude, neue Weine zu entdecken und nicht immer nur zu den bekannten Namen zu greifen? Die Qualität im (gehobenen) Basis-Segment war durchgehend hoch und wir hatten tatsächlich keine wirkliche Niete im Glas, was nicht selbstverständlich ist. Der jeweilige Garnacha Wein-Geschmack spiegelte den Charakter der verschiedenen vertretenen Anbaugebiete sehr gut wider, was zugleich dazu animiert, tiefer in die verschiedenen DOs einzutauchen. Das werden wir beizeiten natürlich tun (bspw. stehen die Flaschen schon bereit für ein über Garnacha hinausgehendes Somontano-Tasting). Aber zuerst kommt Teil 2 unserer Garnacha Wein-Reise, in dem wir uns Weißweinen aus Garnacha Blanca und Rosados aus Garnacha Tinta widmen.

Also, stay tuned!

*Transparenzhinweis: Die meisten der vorgestellten Garnacha Weine wurden uns von den Bodegas als Kostmuster für die Weinprobe zur Verfügung gestellt. Damit waren keine Vorgaben zur Berichterstattung verbunden. Die Flaschen wurden unbeeinflusst im Rahmen einer Blindprobe verkostet.

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Zahlreiche geöffnete Flaschen Wein auf einem Tisch.
©Sascha Brandenburg / TodoVino Weinmagazin

Garnacha-Wein aus Spanien im Test.

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Zwei Flaschen Wein mit kunstvollen Etiketten
©Sascha Brandenburg / TodoVino Weinmagazin

Garnacha aus Montsant und Priorat

Eine Flasche Wein mit einem Vogel auf dem Etikett.
©Sascha Brandenburg / TodoVino Weinmagazin

Die Drossel ist das Markenzeichen der Bodega Viña Zorzal aus Navarra.

4 geöffnete Weine auf einem Tisch
©Sascha Brandenburg / TodoVino Weinmagazin

Sehr unterschiedlich Garnachas aus der DO Somontano.

Eine Flasche Wein wird vor einen Computerbildschirm gehalten.
©Sascha Brandenburg / TodoVino Weinmagazin

...und hier der Nachzügler, der verspätet eintraf, es aber noch in den Artikel geschafft hat - zum Glück! Ein erstaunlicher Garnacha-Wein aus Somontano!

Schau dir unsere Verkostungsnotizen an

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