4. März 2024

Warum sind manche Rioja-Weine in ein goldenes Drahtgeflecht gepackt?

TodoVino klärt dich über den Ursprung des Goldnetzes auf.

Wahrscheinlich hast du es schon einmal gesehen: dieses filigrane goldene Netz, in das einige Flaschen spanischer Rotweine eingefasst sind. Meist handelt es sich um Reservas aus Rioja. Doch was hat es mit dem hübschen Tand auf sich? Ist es ein Überbleibsel eines heute altertümlich anmutenden Dekorationsverständnisses? Oder sollen durch den Anschein von Wertigkeit arglose Weinliebhaber:innen ins güldene Netz gehen – also nichts als ein funkelnder Marketing-Köder?

Nichts dergleichen. Bei dem goldenen Drahtgeflecht handelt sich um ein Überbleibsel aus der ebenso goldenen Ära Riojas. Als Phylloxera, die Reblaus, im späten 19. Jahrhundert den Weinbau in Frankreich regelrecht verwüstete, eilten zahlreiche französische Winzer nach Rioja, um dort Wein für den trockengelegten Heimatmarkt zu produzieren. Dies begründete einen rasanten Aufstieg der nordspanischen Weinregion.

Überall, wo nicht nur Wein, sondern auch viel Geld fließt, muss man in der Regel nicht lange warten, bis findige Gauner etwas aushecken. So war es auch mit dem guten Wein aus Rioja, von dem schnell Fälschungen mit minderwertigem Inhalt auftauchten. Um den Käufer:innen eine Garantie zu geben, dass es sich tatsächlich um das gewünschte Produkt handelt, wurden hochwertige, höherpreisige Rioja-Weine Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts in ein goldenes Drahtnetz namens Alambrado gepackt.

Alambrado bedeutet auf Deutsch Drahtgeflecht, Drahtnetz oder auch Drahtzaun. Beim goldenen Drahtgeflecht handelte es sich also vor über 100 Jahren um einen Versuch, den Betrug mit gefälschtem Wein einzudämmen – wenngleich das Distinktionspotenzial der »botellas alambradas« durchaus auch erkannt wurde. Wie fälschungssicher diese Maßnahme war, lässt sich heute schwer sagen – man kann jedoch davon ausgehen, dass sie das Inverkehrbringen von gefälschten Reservas und Co aus Rioja zumindest erschwerten. Erfunden haben soll das goldene Drahtgeflecht die Bodega Marqués de Riscal, die auch heute noch zu den renommiertesten Weingütern Riojas zählt.

Diese Maßnahme wurde schnell von anderen Bodegas übernommen. Und nicht nur von Bodegas: Auch schicke Hotels in Madrid und andernorts begannen, die guten Flaschen in ein feines Drahtnetz zu packen, um damit kenntlich zu machen, dass es eine Abfüllung aus dem Originalfass und keine mit wer-weiß-was aufgefüllte Flasche ist. Dazu muss man wissen, dass damals von den Weingütern in der Regel Fässer an Hotels und die Gastronomie geliefert wurden, die dann vor Ort die Abfüllung in Flaschen übernahmen (einfachere Weine wurden dann meist direkt aus dem Fass gezapft).

Heute findet man kaum noch Flaschen mit goldenem Drahtgeflecht – auch wenn die Weinfälscherei nicht ausgestorben ist. Zwei bekannte Beispiele, die die Alambrado-Tradition fortführen, sind zum einen die bereits erwähnte Bodega Marqués de Riscal, die ihren Reserva damit zieren, zum anderen die Bodega López de Heredia Viña Tondonia, ebenfalls ein Traditionshersteller, die ihren Reserva Viña Tondonia mit einem Drahtnetz schmücken.

Hast du nun einen derart eingeflochtenen Wein vor dir stehen, lautet die Frage aller Fragen natürlich: wie in aller Welt wird die Flasche geöffnet? Solltest du das Drahtnetz hastig aufreißen und entfernen, um möglichst schnell alle Hindernisse aus dem Weg zu räumen, die zwischen dir und dem ersten Glas stehen? Oder sollte das Netz vornehm oben mit einer Schere gekappt werden, um ein Öffnen der Flasche zu ermöglichen, die weiterhin von dem Netz umgeben wird? Als unbestrittene Instanz in Stilfragen empfiehlt TodoVino: weg damit, aber schnell! Auf den Inhalt kommt es an. Salud!

Netz ohne Flasche
©Sascha Brandenburg

Netz ohne Flasche.

Zwei Rioja Reserva mit Goldnetz.
©Sascha Brandenburg

Manche Weinflaschen aus dem Rioja haben ein goldenes Drahtnetz.

Rioja Alambrado
©Sascha Brandenburg

Vor über 100 Jahren wurde es eingeführt, um Weinfälschern das Leben zu erschweren.

Rotweine aus dem Rioja mit Alambrado
©Sascha Brandenburg

Das goldene Drahtgeflecht heißt auf Spanisch Alambrado.

Weinflasche mit Goldnetz
©Sascha Brandenburg

Heute gibt es nur noch wenige Flaschen mit Goldnetz.

Vina Tondonia und Marques de Riscal
©Sascha Brandenburg

Vina Tondonia und Marques de Riscal sind zwei bekannte Beispiele, die heute noch den Alambrado nutzen.

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