TodoVino: Wie war der Jahrgang 2025? Seid ihr mit der Entwicklung der Weine zufrieden?
Ana Delia, Algueira: Das Jahr war heiß, und die Lese zog sich relativ lange hin. Insgesamt sind wir sehr zufrieden. Die Erntemenge war geringer, die Qualität der Trauben gut, und die Moste sind problemlos vergoren. Unterm Strich fällt die Bilanz positiv aus.
Die Ribeira Sacra gilt als eine der extremsten Weinbauregionen Europas. Wie wirkt sich die Topografie konkret auf eure Arbeit im Weinberg aus?
Unser Gebirgsweinbau ist durch steile Hänge und schmale Terrassen geprägt. Dadurch reduziert sich die nutzbare Fläche, sodass die Pflanzdichte im Durchschnitt bei etwa 3.000 bis 4.000 Rebstöcken pro Hektar liegt. Mechanisierung ist kaum möglich; abgesehen von einzelnen Weinbergsbahnen (fest installiertes Schienensystem mit Transportkörben, Anmerkung der Redaktion) erfolgen nahezu alle Arbeiten manuell. Das bedeutet hohe Kosten, viel Zeitaufwand und ein erhöhtes körperliches Risiko.
Gleichzeitig entstehen unter diesen Bedingungen Trauben von hoher Qualität. Unterschiedliche Expositionen entlang der Flüsse, gute Sonneneinstrahlung, natürliche Drainage und der Anbau angepasster autochthoner Rebsorten prägen die Weine der Ribeira Sacra. Diese klare Profilierung ermöglicht höhere Verkaufspreise und trägt dazu bei, die hohen Produktionskosten teilweise auszugleichen.
Hat sich eure Arbeit im Weinberg in den letzten Jahren verändert? Welchen Einfluss wird moderne Technik haben, wie beurteilt ihr die kürzlich in der Ribeira Sacra durchgeführten Drohnentests bei der Lese?
Wir halten an der traditionellen, überwiegend manuellen Arbeitsweise fest. Sie ist wesentlicher Bestandteil unseres Weinbaus, und derzeit gibt es keine praktikablen Alternativen. Drohnen könnten perspektivisch eine Rolle spielen, sind aktuell aber noch nicht ausreichend ausgereift für den praktischen Einsatz.
Welche Herausforderungen bringt der Klimawandel für die Ribeira Sacra?
Zunehmende Hitze, unregelmäßige Niederschläge, Schädlingsdruck und Erosion stellen uns vor neue Aufgaben. Die bergige Struktur der Region bietet jedoch Anpassungsmöglichkeiten, etwa durch die Auswahl unterschiedlicher Höhenlagen und Ausrichtungen der Parzellen. Zudem setzen wir verstärkt auf autochthone, besser angepasste Rebsorten wie Brancellao, Merenzao, Caiño oder Sousón.
Gleichzeitig gehören die Produktionskosten in der Ribeira Sacra zu den höchsten in Spanien, während die Erträge pro Hektar niedrig sind. Unser Ansatz bleibt daher klar: Qualität vor Quantität, behutsame Neuanlagen, Bodenerhalt und eine konsequente Positionierung über Identität und Herkunft.
Du hast die Traubenpreise und zuvor auch schon die Verkaufspreise der Weine genannt, die weit über dem Durchschnitt liegen. Welchen Platz nimmt die Ribeira Sacra heute in der spanischen Weinlandschaft ein?
Trotz vergleichsweise geringer Produktionsmengen hat sich die Region eine klar definierte Nische im nationalen und internationalen Markt erarbeitet. Die Weine werden vor allem für ihre Authentizität, ihre Herkunft und ihre ausgeprägte Typizität geschätzt. Anerkennung durch Kritiker und Auszeichnungen haben zur steigenden Sichtbarkeit beigetragen.
Worin unterscheiden sich die Weine der Ribeira Sacra von denen benachbarter Regionen?
Neben der extremen Topografie sind es vor allem die Böden. In der Ribeira Sacra dominieren Schiefer- und Granitböden, ergänzt durch kleinere Gneisvorkommen. Granit fördert Frische und Säure, Schiefer sorgt für gute Drainage und speichert Wärme, was strukturierte und langlebige Weine begünstigt. Das atlantische Klima mit kontinentalem Einfluss sowie die durch Schluchten geprägten Mikroklimata tragen zusätzlich zur Balance von Säure und Reife bei.
Was ist für Algueira bei der Weinherstellung entscheidend und wie definiert ihr die Herkunft und den Stil eurer Weine?
Im Mittelpunkt stehen der Respekt vor dem Terroir, der konsequente Einsatz autochthoner Rebsorten und eine möglichst zurückhaltende Vinifikation. Wir arbeiten mit spontanen Gärungen, verzichten auf Herbizide, lesen von Hand und vinifizieren parzellen- und sortenrein. Der Holzeinsatz ist moderat, Filtration und Klärung erfolgen nur, wenn notwendig.
Unser Ziel ist es, Weine zu erzeugen, die ihre Herkunft präzise widerspiegeln und den Charakter der Ribeira Sacra unverfälscht zum Ausdruck bringen. Unsere Weine sind eng mit dem Terroir der Ribeira Sacra verbunden. Die Landschaft entlang des Sil, die Tradition früherer Generationen und die Vielfalt der Mikroterroirs prägen unseren Stil. Jede einzelne Parzelle – mit ihrer Ausrichtung, Höhenlage und Bodenstruktur – soll im Wein erkennbar bleiben.
Danke für das Interview!
Wenn du jetzt neugierig geworden bist und gerne Algueira-Weine probieren möchtest....tja, dann musst du im Internet schauen, sie sind nur bei wenigen ausgewählten deutschen Weinshops erhältlich. Aber es lohnt sich!