In Rueda auf der Suche nach dem ursprünglichen Verdejo
Ruedas bestgehütetem Geheimnis auf der Spur
Rueda. Genau, da wo dieser tropisch-fruchtige Weißwein herkommt, der so gut auf der Terrasse schmeckt. Wir hatten schon mehrfach über die Verdejos aus dieser Region berichtet, zum Beispiel hier und hier. Aber was ist das eigentlich für eine Region, diese weiße Insel in einem Meer aus Rotwein? Ich habe schon so viele spanische Weinbaugebiete (mehrfach) besucht, aber in Rueda war ich bis dato noch nie gewesen. Immer nur auf dem Weg nach Madrid vorbeigedüst und die Schilder und Bodegas vorbeirauschen sehen. Also bin ich spontan hingefahren, als sich überraschend ein freies Zeitfenster von ein paar Tagen eröffnete. Da ich im Norden Spaniens wohne, habe ich es ja nicht so weit.
Diesmal wollte ich nicht einfach nur Wein trinken und Bodegas abklappern, sondern mir vor allem einen Eindruck verschaffen von Land und Leuten in dem touristisch und auch ansonsten eher wenig beachteten Landstrich südwestlich von Valladolid. Der landschaftliche Kontrast ist jedenfalls enorm: vom milden, üppiggrünen Asturien ging es über das Kantabrische Gebirge in die trockene und karge nördliche Meseta. Nachdem ich León passiert habe, wurde es heiß, windig und flach wie die Witze von Fips Asmussen. Überall Landwirtschaft, die Besiedelung ist ebenso spärlich wie der Baumbestand. Böse Zungen würden diese Region vielleicht öde nennen, aber sagen wir mal, die fehlende Ablenkung, die nicht vorhandenen optischen Reize haben etwas Entspannendes und laden zur Kontemplation ein – wo finden wir heute noch sowas in unserer schnelllebigen Welt, wo jede:r und alles nach Aufmerksamkeit heischt?
Nicht, dass es auf dem Weg keine Highlights gäbe! Weit entfernt! Wir passieren die Lagunen von Villafáfila, eines der letzten Refugien (und offenbar das weltweit größte) der Großtrappe. Die Großtrappe ist ein korpulenter, gemütlich gesinnter Vogel, der lieber herumsteht und läuft als fliegt, wobei er fliegen kann, wenn er denn will – tatsächlich ist er mit einem Körpergewicht von bis zu 16 Kilogramm einer der schwersten noch flugfähigen Vögel der Welt. Vor einiger Zeit bin ich mal mit Entdeckergeist und offenen Augen durch diese Region gewandert, aber der Anblick von Großtrappen war mir nicht vergönnt. Vereinzelt herumstreunende Vogelkundler (alles Männer in Tarnkleidung) bestätigten mir jedoch die Anwesenheit dieses zivilisationsgeschädigten Vogels. Dafür hatte ich zahlreiche imposante Bauwerke gesehen, die vor langer Zeit als Taubenschlag errichtet wurden – eine weitere Besonderheit dieser Region. Ja, es gibt viel zu entdecken jenseits der berühmten ausgetretenen Pfade, auch wenn diese Art der Entdeckungen vermutlich nur wenigen Menschen einen erhöhten Pulsschlag bescheren dürfte. Besser so, denn irgendwo muss man ja als Großtrappe auch mal seine Ruhe haben. Aber zurück zum Wein.

