18. November 2025

Murua und Leda im TodoVino-Test

...und zum Nachtisch Sidra de Hielo

Von Zeit zu Zeit bekommen wir Verkostungspakete zugeschickt und die Ergebnisse wollen wir dir nicht vorenthalten. Vor allem, wenn etwas ganz Besonderes dabei war...aber lies selbst.

Wer in Spanien die Weinregale in etwas besser sortierten Supermärkten nach den höherpreisigen Weinen durchforstet, um sich mehr Anspruch ins Glas zu gießen, wird in der Rias Baixas-Ecke häufig auf Albariño von Fillaboa stoßen sowie im Rioja-Regal einen Reserva von Murua entdecken. Beide Bodegas zählen zu den spanischen Qualitätsproduzenten mit landesweitem Bekanntheitsgrad. Was beide Weingüter noch gemeinsam haben: Sie gehören, zusammen mit der Bodega Leda und dem Sidra-Hersteller Valverán, zu Masaveu Bodegas. Die Masaveu Bodegas wiederum sind Teil der Corporación Masaveu, einer Unternehmensgruppe mit Sitz in der asturischen Hauptstadt Oviedo, hinter der eine der reichsten Familien Spaniens steht. So weit zum Hintergrund.

Nachdem wir kürzlich im Rahmen unseres Albariño-Tastings zwei Weine von Fillaboa probiert hatten, freuten wir uns, als uns ein Verkostungspaket von Masaveu erreichte mit Weinen von Leda, Murua und Valverán.* So konnten wir uns ein Bild vom gesamten Portfolio der Masaveu Bodegas machen, auch wenn wir einige Weine bereits kannten. Wie immer erfolgte die Verkostung unbeeinflusst und »blind«, in einer Runde aus Redaktionsmitgliedern und befreundeten Sommeliers.

Spanische Weine kaufen bei heimwein
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Die Bodega Leda hat ihren Sitz in Tudela de Duero in der Provinz Valladolid. Das Weingut wurde 1998 vom Önologen Mariano García gegründet und 2009 von Masaveu übernommen. Die Arbeitsweise von Leda ist etwas anders als gewöhnlich: das Weingut verfolgt einen Multi-Terroir-Ansatz und vereint in seinen Weinen Trauben aus verschiedenen ökologisch bewirtschafteten Weinbergen entlang des Flusses Duero. Entsprechend gehört Leda nicht der DO Ribera del Duero an, sondern produziert im Rahmen der weiter gefassten Herkunftsbezeichnung V.T. de Castilla y León. Insgesamt werden jährlich rund 50.000 Flaschen hergestellt, was die Bodega Leda zu einem kleinen Produzenten in dieser Region macht.

Drei Weine, alle 100 Prozent Tempranillo, entstehen bei Leda: Más de Leda, Leda Viñas Viejas und Guarda de Leda Selección. Mit dem Más de Leda 2021 haben wir den Einstieg ins Sortiment probiert, der bereits 15 Monate in Barriques aus französischer und us-amerikanischer Eiche reifte. Die Nase offenbart gehaltvolle Frische und süßes Fruchtfleisch. Im Mund zeigt sich dieser Tempranillo dunkel, weniger fruchtbetont, wobei rote und schwarze Beeren schon zum Vorschein kommen, aber deutlich von sperrigen, adstringierenden Tanninen überlagert werden. Mit der Zeit integrieren sich die Aromen, der Wein wird runder, balsamische Noten entwickeln sich, ein guter Trinkfluss stellt sich ein, der Abgang ist sehr ordentlich. Aber der Wein behällt seinen rustikalen Charakter.

Der Leda Viñas Viejas 2020 schlummerte 18 bis 24 Monate in Barriques aus französischer und us-amerikanischer Eiche, bevor er abgefüllt wurde. Das Bouquet weist starke Parallelen zum Más de Leda 2021 auf, wobei bereits mehr Oxidation und weniger Frucht zu verzeichnen ist, bei einem insgesamt eleganteren Eindruck. Im Mund ist der Leda Viñas Viejas 2020 kräftig, dunkel und mit körnigen Tanninen ausgestattet, bei reifen Fruchtnoten, die mit zunehmender Zeit deutlicher wurden, während gleichzeitig die kräftigen Gerbstoffe im Kontakt mit dem Sauerstoff Platz für eine freundlichere, harmonischere Struktur machen. Ein intensiver, dichter, langer Wein, der Fans kräftiger Rotweine sicher glücklich macht.

Schließlich der 32 Monate in französischen, us-amerikanischen und spanischen Barriques gereifte Guarda de Leda Selección 2019, das Flaggschiff des Weinguts, was sich auch im komplexeren, einnehmenderen Bouquet bemerkbar macht. Dieser Premium-Tempranillo riecht wie ein geräucherter Schinken, der auf einer Schachtel blauer Früchte abgelegt wurde – das Bouquet ist kraftvoll und attraktiv. Im Mund direkt nach dem Öffnen der angenehmste Wein, weil die Tannine zu Beginn nicht so struppig sind wie bei den anderen beiden Leda-Weinen. Ein konzentrierter, bereits leicht oxidierter Wein, der unter anderem an Kaffeepulver und süße gereifte Frucht denken lässt. Intensiv und lang, insgesamt stimmig – aber auch der teuerste der Runde.

Aktuell gibt es den Más de Leda für 15,95 € bei vinos.de.*

Die Leda-Weine passen hervorragend zu deftigen Speisen, wie zum Beispiel den valencianischen Figatells.

Die Bodega Murua befindet sich in Elciego, in der Rioja Alavesa, dem baskischen Teil der DOCa Rioja. Das Weingut wurde 1974 gegründet und verfügt über rund 80 Hektar eigene Weinberge, verteilt auf 40 Parzellen mit teilweise alten Rebstöcken. Hier wird nicht nur Tempranillo kultiviert, sondern auch die übrigen im Rioja-Gebiet verbreiteten Rebsorten wie Graciano, Mazuelo, Viura, Malvasía und Garnacha. Die Jahresproduktion liegt bei rund 250.000 Flaschen.

Fangen wir mit dem Murua Blanco Fermentado en Barrica 2023 an. Wie der Name schon verrät, handelt es sich um einen Weißwein, in diesem Fall gewonnen aus Viura, Malvasía und Garnacha Blanca, der 9 Monate in neuen Barriques aus französischer und amerikanischer Eiche reifte. Entsprechend zeigt sich die Nase sehr barriquegeprägt, aber gut integriert und harmonsich. Das Bouquet offenbart kaum Frucht, dafür aber feinwürziges Holz, etwas Fenchel und florale Akzente. Im Mund kommt unter anderem eine spürbare Vanillenote hinzu. Es entfaltet sich ein mittlerer Körper und eine gute Intensität. Das ist eher ein gastronomischer Wein, ein Essensbegleiter, gut gemacht ohne starke Emotionen zu wecken. Wer diesen Stil mag, wird daran Freude haben.

Der Murua Reserva 2017 ist eine Cuvée aus Tempranillo und in kleineren Teilen Graciano und Mazuelo (in anderen Teilen Spaniens auch Cariñena genannt), die 18-24 Monate in Barriques aus französischer und amerikanischer Eiche und weitere 5 Jahre im Weingut in der Flasche reifte – hier zeigt sich, dass die Bodega über die finanziellen Mittel verfügt, einem Reserva einen so langen Reifeprozess zu gönnen. Das Bouquet ist vor allem sehr würzig, zeigt etwas Frucht, die einen aber nicht anspringt. Insgesamt balanciert, animierend, mit verwobenem Aromengeflecht, aus dem nichts heraussticht. Im Mund süße Frucht, leicht kirschig, das Holz ist präsent, aber rund und harmonisch. Der Murua Reserva ist mit seinem freundlichen Charakter ein guter Konsenswein, der nicht fordert, sondern einfach schmeckt. Super zu Tapas!

Mit dem Veguín de Murua Gran Reserva 2015 kommt einer der Topweine der Bodega Murua ins Glas. Wieder ein typischer Rioja-Blend aus Tempranillo, Graciano und Mazuelo, der zwischen 26 und 32 Monaten in neuen französischen und amerikanischen Barriques sowie weiteren 5 Jahren in der Flasche reifte, bevor er in den Verkauf kam. In der Nase ist dieser Wein entsprechend voller, mit reiferer, süßerer Frucht und schönem Reifecharakter. Im Mund glatt, voll, konzentriert, mit reifer Frucht, aus der vor allem die Pflaume hervorsticht – und überraschenderweise auch eine ziemlich präsente, starke Säure, was den Wein etwas aus der Balance bringt. Im Abgang deutlich präsenter und länger als der Murua Reserva. Hat grundsätzlich das Zeug zum schönen Rioja-Festtagswein, wobei die Säure irritierend ist und die Oxidation recht schnell voranschreitet...womöglich ein Flaschenfehler. Es gibt sicher Menschen, die beides nicht bemerken oder als störend empfinden, aber uns zeigte sich dieser Wein nicht ganz im Lot.

...daher fragten wir beim Weingut nach und sie schickten uns prompt eine zweite Flasche, diesmal vom Jahrgang 2016 (siehe Bildergalerie unten, mit typischem Goldnetz), weil der 2015er bereits ab Weingut ausverkauft war. Tatsächlich präsentierte sich dieser Veguin de Murua Gran Reserva ganz anders: sehr harmonisch gereift mit schönem, saftigem Charakter, in dem die reife Frucht (Sauerkirsche und Zwetschge) und die polierten Fassreife-Noten toll verschmelzen, bevor sich dieser Rioja in ein langes, feinwürziges Finale verabschiedet. Schöner Wein, sehr rund, sehr balanciert, aber vor allem das Mundgefühl macht bei diesem Gran Reserva Spaß.

Die Murua-Weine passen prima zu zahlreichen Tapas, wie zum Beispiel dem mallorquinischen Klassiker pa amb oli.

Als Absacker gab es dann den Valverán 20 Manzanas 2023 – ein Sidra de Hielo aus Asturien. Sidra de Hielo ist quasi ein Eiswein, der aus Äpfeln gemacht wird, in diesem Fall aus genau 20 Äpfeln. Da es in der asturischen Comarca de Sidra in der Regel nicht so kalt wird, dass gefrorene Äpfel vom Baum geerntet werden können, wird bei der Herstellung entsprechend nachgeholfen: entweder werden die Äpfel eingefroren, bevor sie gepresst werden oder, wie im Fall des Valverán, der frisch gepresste Apfelsaft wird auf -20 Grad gefroren, wodurch sich der Most konzentriert. Für einen Eis-Sidra braucht man rund 5 mal mehr Äpfel als für einen normalen Sidra. Das Ergebnis ist köstlich: eine herrlich parfümierte Nase, die an zahlreiche Früchte denken lässt und im Mund frisch, süß, mit feinem Honignoten und guter, ausbalancierender Säure sowie vor allem einem tollen, konzentrierten, tiefen Apfelton.

Aktuell gibt es den Valverán 20 Manzanas bei vinos.de für 19,90 €, was unter dem Preis liegt, den man in Spanien dafür bezahlen muss.*

Ein Sidra de Hielo begleitet nicht nur hervorragend eine Käseplatte, sondern schmeckt auch super zu Gebäck, wie zum Beispiel einem traditionellen spanischen Mandelkuchen.

Unser Fazit: Trinkt mehr Sidra de Hielo

Der Favorit der Verkostung war ganz klar und einhellig der Valverán 20 Manzanas – ein guter Sidra de Hielo geht einfach immer und der Valverán ist ausgezeichnet! »Eis-Sidras" sind hervorragende Dessert- und Käseplattenweine, die auch solo schmecken und durch ihren geringen Bekanntheitsgrad zudem selbst gewiefte Weinkenner:innen überraschen können.

Auch bei den »normalen« Weinen war unser Urteil einstimmig und der Guarda de Leda wurde zum Wein des Abends gekürt. Insgesamt einfach der stimmigste Wein der Runde. Überhaupt überzeugten die Leda-Weine im Gesamten mehr, auch wenn sie recht rustikales Tannin aufweisen und viel Luft brauchen. Dagegen sind die Murua Weine viel runder und gefälliger (vom etwas iriitierenden Veguín de Murua Gran Reserva 2015 abgesehen), was sie für viele Gelegenheiten zu einer guten Wahl macht.

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7 Korken nebeneinander aufgereiht
©Sascha Brandenburg / TodoVino Weinmagazin

Weine der Unternehmensgruppe Masaveu Bodegas

3 Flaschen Rotwein
©Sascha Brandenburg / TodoVino Weinmagazin

Bodega Leda: Viel Frucht und kräftiges Tannin

3 Flaschen Wein nebeneinander
©Sascha Brandenburg / TodoVino Weinmagazin

Bodegas Murua: lange Reifezeiten bringen runde Weine hervor

eine kleine Flasche mit einem süßen Sidra
©Sascha Brandenburg / TodoVino Weinmagazin

Der Favorit: Sidra de Hielo von Valverán, intensiv und ungewöhnlich

Eine Flasche Rioja-Rotwein mit goldenem Drahtgeflecht
©Sascha Brandenburg / TodoVIno Weinmagazin

Veguin de Murua Gran Reserva 2016: saftig-feiner Rioja

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